{"id":1523,"date":"2009-01-19T09:24:28","date_gmt":"2009-01-19T09:24:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.againstchildtrafficking.org\/?p=1523"},"modified":"2010-10-15T09:38:36","modified_gmt":"2010-10-15T09:38:36","slug":"adoptionsskandal-um-athiopische-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/adoptionsskandal-um-athiopische-kinder\/","title":{"rendered":"Adoptionsskandal um \u00e4thiopische Kinder:"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div>\n<div>Date:2009-01-19<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>Source:<a href=\"http:\/\/www.profil.at\/articles\/0903\/560\/231092\/adoptionsskandal-kinder-zwei-kinder-muetter\" target=\"_blank\">Profil<\/a><\/p>\n<p><strong>Zwei \u00e4thiopische Kinder M\u00fctter klagen an<\/strong><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<ul>\n<li>Ihre Kinder seien nach \u00d6sterreich verkauft worden<\/li>\n<li><strong>Plus Video:<\/strong> Zwei M\u00fctter vermissen ihre Kinder<\/li>\n<\/ul>\n<div><img decoding=\"async\" title=\"Bild: privat\" src=\"http:\/\/www.profil.at\/articles\/0903\/img\/231092_i.jpg?1232381637\" alt=\"\" height=\"140\" \/><!--more--><\/div>\n<div>\n<div>\n<p><noscript><\/p>\n<div><a\nhref=\"\/nw1\/gen\/slideshows\/slide\/show;profil\/2009\/0902\/adoption\/;kid;560?flags=nopop;1\"><b>&amp;middotVIDEO:<br \/>\nZwei M&amp;uumltter vermissen ihre Kinder<\/b><br\n\/>Merkw&amp;uumlrdige Adoptionen: Dramatische Interviews<\/a><br\n\/><\/div>\n<p><\/noscript><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Bei unz\u00e4hligen in \u00c4thiopien adoptierten Kindern ist unklar, ob sie wirklich Waisen sind. Zwei davon sind es sicher nicht. Die Dokumentation einer Vielzahl mensch\u00adlicher Trag\u00f6dien \u2013 und eines beispiellosen Versagens der \u00f6sterrei\u00adchischen Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Erst als ihr zweiter Sohn zur T\u00fcr her\u00adeinkommt, hellt sich Alemitu Aseffas Gesicht wieder auf. Die junge \u00c4thiopierin nimmt das Kleinkind auf den Scho\u00df, h\u00e4lt seine Beinchen fest und dr\u00fcckt es an sich. Bis dahin hat sie nur \u00fcber ihren \u00e4lteren Sohn gesprochen. Sie w\u00fcrde ihn so gern in den Arm nehmen \u2013 wie es ihr damals versprochen wurde, als sie ihn in einer famili\u00e4ren Notsituation weggegeben hatte. Nach drei Jahren sollte er zur\u00fcckkommen. Doch dieser Sohn wurde vor mehr als vier Jahren als vermeintliches Waisenkind von \u00d6sterreichern adoptiert. Der kleine Max wei\u00df von alledem nichts. Er steckte noch in den Windeln, als er nach \u00d6sterreich kam. \u201eIch w\u00e4re dankbar, wenn ich erst sterben w\u00fcrde, nachdem ich ihn pers\u00f6nlich gesehen und umarmt habe\u201c, sagt die \u00c4thiopierin per Videobotschaft und ringt mit den Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p><strong>Der Fall Aseffa ist nicht der erste dieser Art.<\/strong> Bereits vor zwei Jahren wurde bekannt, dass die Adoptionspapiere von Hanna, einer vermeintlichen \u00e4thiopischen Waise, gef\u00e4lscht worden waren. Damals sprachen die \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden von einem \u201eEinzelfall\u201c. Eine reichlich k\u00fchne Einsch\u00e4tzung: profil liegen nunmehr Aussagen zweier \u00c4thiopierinnen vor, deren leibliche Kinder in \u00d6sterreich sind. Beide Frauen sprechen von Barzahlungen f\u00fcr die Kinder und von unerf\u00fcllten Versprechungen, die Kinder wiederzusehen. Obwohl sich die M\u00fctter nicht kannten, \u00e4hneln sich ihre Geschichten so sehr, dass sich die Frage aufdr\u00e4ngt, ob System dahintersteckt. Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass noch weitere Familien betroffen sind.<\/p>\n<p>Sowohl Max als auch Hanna wurden mithilfe des \u00f6sterreichischen Vereins Family for you (FFY) adoptiert. Bis zur Niederlegung seiner T\u00e4tigkeit im vergangenen Jahr war FFY der gr\u00f6\u00dfte private Auslandsadoptionsverein in \u00d6sterreich. Mit einer Lizenz der Stadt Wien unterst\u00fctzte er Privatfamilien bei den Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen, die im Ausland f\u00fcr eine Adoption notwendig sind, und bereitete die Eltern auf die neue Familiensituation vor. In den sieben Jahren seiner T\u00e4tigkeit brachte FFY knapp 400 Kinder nach \u00d6sterreich, rund 70 Kinder davon stammen aus \u00c4thiopien.<\/p>\n<p>Deribe Nesibu, der \u00e4thiopische Mitarbeiter von FFY, hat gegen\u00fcber den Beh\u00f6rden in Addis Abeba inzwischen gestanden, die Papiere von Hanna gef\u00e4lscht zu haben. Er wurde verhaftet und auf Kaution freigelassen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien laufen noch. Zudem l\u00e4uft \u00adgegen FFY ein Schadenersatzprozess \u2013 die Adoptiveltern von Hanna fordern die Adoptionskosten zur\u00fcck. Als die Vorw\u00fcrfe bekannt wurden, legte FFY vor einem Jahr die T\u00e4tigkeit nieder, jetzt geht dem Verein auch finanziell die Luft aus: Er ist insolvent.<\/p>\n<p><strong>Grauzone Auslandsadoption.<\/strong> Offizielle Zahlen, wie viele Auslandsadoptionen in \u00ad\u00d6sterreich im Jahr durchgef\u00fchrt werden, gibt es nicht. Das Justizministerium sch\u00e4tzt sie auf 250. Zust\u00e4ndig sind die jeweiligen \u00c4mter der Landesregierung, die den Eltern Pflegebewilligungen erteilen. Mit dieser Best\u00e4tigung kann jede Privatperson im Ausland Kinder adoptieren und sie mit nach \u00ad\u00d6sterreich bringen. Es gibt weder eine \u00adzentrale Anlaufstelle f\u00fcr Adoptionswillige, noch gibt es eine einheitliche Kontrolle \u2013 es gibt noch nicht einmal einheitliche Richt\u00adlinien, wie eine Auslandsadoption in \u00d6sterreich durchzuf\u00fchren ist. Angesichts dieses Vakuums verwundert es nicht sehr, dass F\u00e4lle wie die von Max und Hanna passieren k\u00f6nnen. Eine der beiden Frauen, die jetzt im Interview auspacken, ist die Mutter von Hanna. Das M\u00e4dchen hatte in \u00d6sterreich bereits f\u00fcr Schlagzeilen gesorgt, als bekannt wurde, dass seine Adoption gerichtlich aufgel\u00f6st wurde \u2013 weil sie aufgrund gef\u00e4lschter Papiere zustande gekommen war. In den Dokumenten war Hanna als Vierj\u00e4hrige ausgegeben worden, obwohl sie zum Adoptionszeitpunkt bereits neun Jahre alt war. Sie war gemeinsam mit Max, der laut den Papieren ihr leiblicher Bruder sein sollte, in die gleiche Familie nach \u00d6sterreich gekommen. Doch auch das entsprach nicht der Wahrheit. Aufgeflogen war die Geschichte, weil Hanna \u2013 im Gegensatz zu vielen anderen Kindern \u2013 nicht als Baby adoptiert worden war und sich deswegen an ihre Mutter erinnern konnte. Hanna machte die Adoptiveltern f\u00fcr ihr Schicksal verantwortlich und wurde zunehmend verhaltensauff\u00e4llig. Heute lebt sie, abgeschirmt von der \u00d6ffentlichkeit, unter der Obhut der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen in einem Kinderheim.<\/p>\n<p>Dass nicht nur Hanna den unlauteren Machenschaften des \u00e4thiopischen Vertreters von FFY zum Opfer gefallen war, flog auf, als die mittlerweile 14-J\u00e4hrige im vergangenen Herbst in \u00c4thiopien ihre Mutter besuchte. Es gab ein herzliches Willkommensfest mit der Familie, doch trotzdem entschied das Kind, in \u00d6sterreich seine Ausbildung zu beenden, und kehrte zur\u00fcck in das Kinderheim. Der Besuch war nicht nur f\u00fcr Hanna ein Einschnitt. Er hatte auch f\u00fcr Max weit reichende Konsequenzen. Die \u00e4thiopischen Beh\u00f6rden hatten Alemitu Aseffa, die Mutter von Max, und Genet Rashid, die Mutter von Hanna, miteinander bekannt gemacht, nachdem beide auf der Suche nach ihren Kindern bei ihnen gelandet waren. Durch ihre eigenen Nachforschungen wusste Alemitu Aseffa, dass auch Max in \u00d6sterreich ist. Als Genet Rashid ihr vom offiziellen Besuch ihrer Tochter erz\u00e4hlte, witterte Aseffa die M\u00f6glichkeit, vorstellig zu werden. \u201eIch habe ihnen ein Foto meines Sohnes gezeigt. Sie konnten es mir nicht glauben, als ich ihnen erz\u00e4hlt habe, dass ich seine leibliche Mutter bin\u201c, sagt sie im Interview.<\/p>\n<p>Die Sozialarbeiterin Michaela Schneidhofer hatte Max auf dem Foto erkannt, schlie\u00dflich war er der vermeintliche Bruder von Hanna. \u201eWir haben die Information an die Familie und an die Staatsanwaltschaft weitergegeben\u201c, sagt Schneidhofer. Und dort endet die Spur. Die f\u00fcr die Kontrolle des Vereins zust\u00e4ndige Magistratsabteilung in Wien erfuhr noch nicht einmal von dem Vorfall. Auf den Vorschlag von profil, ihr den zweiten Fall zu schildern, reagierte Abteilungsleiterin Martina Reichl-Ro\u00dfbacher nicht. FFY sei nicht mehr t\u00e4tig, insofern sei auch ihre Zust\u00e4ndigkeit beendet, l\u00e4sst sie ausrichten. Auch Max wei\u00df noch nichts von seiner leiblichen Mutter. Die Entscheidung, ob er Kontakt zu ihr haben und ob er weiterhin in \u00d6sterreich leben wird, liegt bei der Adoptivfamilie. \u201eSoweit wir informiert sind, m\u00f6chten die Eltern die Adoption nicht aufheben\u201c, so Schneidhofer. Es d\u00fcrfte ein schwerer Schlag f\u00fcr die Familie sein, zu wissen, dass auch ihr zweites Kind mit gef\u00e4lschten Papieren nach \u00d6sterreich gekommen ist. In den Medien m\u00f6chten sich die Eltern von Max ihrem Anwalt zufolge dazu nicht \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p><strong>Notlage.<\/strong> Die Verzweiflung ist wechselseitig. Alemitu Aseffa hatte ihren Sohn im Glauben weggegeben, dass sie zu ihm Kontakt halten k\u00f6nne und ihn nach drei Jahren wiedersehe. Die Entscheidung, Max wegzugeben, fiel ihr nicht leicht. \u201eDamals war ich ernstlich krank und am Rande des Todes\u201c, entschuldigt sie ihr Verhalten. In ihrer Not befolgte sie den Vorschlag einer Freundin, das Kind in ein Waisenhaus zu geben. Doch ab diesem Tag h\u00f6rte sie von der Organisation nichts mehr. Ganz \u00e4hnlich h\u00f6rt sich die Geschichte von Hannas Mutter Genet Rashid an. Als ihr Mann todkrank war, konnte sie ihre Kinder kaum mehr ern\u00e4hren. Auch sie nahm Kontakt mit FFY \u00c4thiopien auf. Ein Mann tauchte auf und sah sich die Familie an. Die Mutter war bereit, zumindest auf dem Papier \u00fcber Leichen zu gehen \u2013 \u00fcber ihre eigene n\u00e4mlich: \u201eEr sagte, dass f\u00fcr die Adoption entweder die Mutter oder der Vater des Kindes tot sein m\u00fcsste \u2026 Ich habe vorgeschlagen, so zu tun, als ob ich tot w\u00e4re.\u201c Wenig sp\u00e4ter holte FFY die Tochter ab. \u201eIch bin ins Haus gegangen und habe geweint. Der Vater sagte, ich sollte sie zur\u00fcckholen, wenn ich aufrichtig zu mir selbst w\u00e4re, und sagen, dass der Vater nicht zugestimmt hat. Ich war in einem Dilemma und betete, dass Gott und der Erzengel Michael mich st\u00e4rken.\u201c Auch sie erfuhr zun\u00e4chst nicht, wo ihre Tochter hingebracht wurde, und auch ihr wurde versprochen, dass Hanna nach drei Jahren zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n<p>Die beiden M\u00fctter hatten gehofft, dass es ihren Kindern besser ginge, wenn sie nicht mehr zu Hause wohnten. Auslands\u00adadoptionen sollen nach den Leitlinien des Kinderhilfswerks Unicef erst infrage kommen, wenn keine geeigneten Betreuungsm\u00f6glichkeiten in der Heimat der Kinder gefunden werden k\u00f6nnen. Denn wenn sich in Entwicklungsl\u00e4ndern herumspricht, dass die Kinder im Ausland die besten Chancen haben, entsteht eine gef\u00e4hrliche Dynamik. Versch\u00e4rft wird diese Problematik, wenn den Eltern Geld f\u00fcr die Kinder bezahlt wird.<\/p>\n<p><strong>Genau das ist im Falle FFY offenbar passiert.<\/strong> Genet Rashid gibt an, dass ihr der Begleiter des \u00e4thiopischen FFY-Vertreters 300 Birr \u2013 rund 22 Euro \u2013 hinterlassen habe. Das sind etwa drei Monatsl\u00f6hne f\u00fcr die Mutter, eine beachtliche Summe in \u00c4thiopien. Wenn auch wenig f\u00fcr ein leibliches Kind. Deswegen beklagte sich die Frau bei FFY \u2013 und hatte Erfolg. Es folgten weitere monatliche Zahlungen von rund 15 Euro, bis Nesibu wegen der falschen Dokumente verhaftet wurde. Inzwischen ist er auf Kaution wieder frei.<\/p>\n<p>Eine \u00f6sterreichische Familie musste etwa 10.000 Euro f\u00fcr eine derartige Adoption an FFY \u00fcberweisen \u2013 nur ein kleiner Teil davon wurde f\u00fcr Beh\u00f6rdengeb\u00fchren ausgegeben. Genet Rashid wei\u00df nicht, ob Nesibu f\u00fcr die Vermittlung der Kinder Geld bekommen hat, aber sie vermutet es: \u201eIch glaube, sie haben die Situation ausgen\u00fctzt.\u201c Alemitu Aseffa, die Mutter von Max, hat nach eigenen Angaben kein Geld bekommen. Aber auch sie vermutet, dass FFY mit ihrem Sohn Geld gemacht hat: \u201eIch habe erfahren, dass das die Organisation war, die \u00fcber meinen Sohn durch Verkauf verf\u00fcgt hat.\u201c<\/p>\n<p><strong>Guter Wille.<\/strong> Selbst Petra Fembek, Obfrau von FFY \u00d6sterreich, will nicht kategorisch ausschlie\u00dfen, dass es weitere F\u00e4lle gibt: \u201eAbsolute Sicherheit gibt es in keinem Land bei keiner Adoption.\u201c Sie f\u00fchlt sich von ihrem \u00e4thiopischen Vertreter hintergangen. \u201eIch bin sehr getroffen, dass so etwas passieren konnte, obwohl sowohl wir als auch die \u00e4thio\u00adpischen Beh\u00f6rden alle Dokumente mehrmals \u00fcberpr\u00fcft haben\u201c, so Fembek. FFY \u00d6sterreich habe mit den Adoptionen keinen Gewinn gemacht. In den Adoptionsvertr\u00e4gen ist festgelegt, dass etwaige \u00dcbersch\u00fcsse den Waisenh\u00e4usern oder der individuellen Unterst\u00fctzung von Kindern in den Herkunftsl\u00e4ndern dienen. \u201eWir wollten auch Kindern vor Ort helfen, die nicht adoptiert wurden. Ich war felsenfest davon \u00fcberzeugt, etwas Gutes zu tun\u201c, sagt Fembek.<\/p>\n<p>Doch manchmal reicht der gute Wille allein nicht aus. \u201eMan kann Family for you durchaus illegale Adoptionsvermittlung durch Unterlassung vorwerfen\u201c, sagt Eric Agstner, Anwalt der betroffenen nieder\u00f6sterreichischen Familie. Unterlassen habe die Organisation seiner Auffassung nach die Kontrolle ihrer eigenen Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Monaten in diesem Fall, doch passiert ist bisher wenig. \u201eAuch die Kontrolle der Jugendwohlfahrt war ein Scherz\u201c, so Agstner. Es gebe noch nicht einmal die mindesten Anforderungen an die Papiere, bei Einb\u00fcrgerungen von Erwachsenen sei \u00d6sterreich weitaus pingeliger.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr FFY zust\u00e4ndige Jugendwohlfahrt der Magistratsabteilung 11 der Stadt Wien sieht sich hingegen machtlos. Man habe die gesetzlichen Vorschriften eingehalten, so deren Sprecherin Herta Staffer. \u201eWer soll hier die Echtheit von Dokumenten pr\u00fcfen? Wir m\u00fcssen uns auf die \u00e4thiopischen Beh\u00f6rden verlassen, welche die Schriftst\u00fccke ja mehrmals gepr\u00fcft haben\u201c, sagt Staffer. Bleibt die Frage, warum eine Beh\u00f6rde ihren Stempel auf Dokumente setzt, von denen sie zugibt, dass sie deren Echtheit nicht pr\u00fcfen k\u00f6nne.<\/p>\n<p><strong>Kompetenzchaos.<\/strong> Die Jugendwohlfahrt ist dabei nicht die einzige Beh\u00f6rde, die bei Auslandsadoptionen mitmischt. Justiz- und Familienministerium sowie die L\u00e4nder teilen sich die Gesetzgebung. Ein Kompetenzwirrwarr, bei dem sogar die Akteure leicht den \u00dcberblick verlieren. \u201eUm bessere Schutzbedingungen, insbesondere im Hinblick auf die Dokumentensicherheit, zu erreichen, schlagen wir eine zentrale Auslandsadoptionsstelle vor\u201c, sagt Josef Hiebl, Jurist bei der MA 11. Diese Stelle soll den Pr\u00fcfungsprozess koordinieren. Doch dazu m\u00fcssten sich erst Bund und L\u00e4nder \u00fcber die Zust\u00e4ndigkeiten einig werden. Ein eigenes Adoptionsgesetz k\u00f6nnte den Anforderungen gerecht werden.<\/p>\n<p>Eltern von Adoptivkindern f\u00fchlen sich von den Beh\u00f6rden im Stich gelassen. Einige \u00f6sterreichische Familien haben sich bereits auf eigene Suche nach den Spuren ihrer Kinder in deren Herkunftsland gemacht. Und sind f\u00fcndig geworden. So beispielsweise die Familie Klepp (profil berichtete). F\u00fcr ihren Sohn Paul, der in \u00c4thiopien geboren ist, haben sie alle Hinweise auf sein Leben vor der Adoption zusammengetragen und s\u00e4mtliche Stationen selbst besucht. Von der Polizeidirektion, bei der Paul als Findelkind aufgenommen wurde, bis hin zur Kinderschwester im Waisenheim hat der Bub s\u00e4mtliche Unterlagen und Fotos in seinem Album. \u201eUnser Kind ist nicht gekauft, es ist das sch\u00f6nste Geschenk, das wir uns vorstellen k\u00f6nnen\u201c, sagte seine Mutter B\u00e4rbel Klepp. Sie verwehrt sich gegen die pauschale Unterstellung, dass alle Auslandsadoptionen durch Kinderhandel zustande gekommen seien.<\/p>\n<p>Auch Anwalt Eric Agstner betont, dass nicht bei allen Kindern aus \u00c4thiopien die Papiere gef\u00e4lscht sein m\u00fcssen: \u201eBei denjenigen Kindern, die als Findelkinder aufgegriffen und zur Polizei gebracht wurden, sch\u00e4tze ich die Dokumentensicherheit als relativ hoch ein\u201c, so Agstner. Etwas vorsichtiger m\u00fcsse man bei so genannten \u201ekebele-letter\u201c sein, die von einer Art \u00f6rtlichen Verwaltung ausgestellt wurden. Diese Beamten seien offenbar leichter zu bestechen, so Agstner.<\/p>\n<p><strong>Beh\u00f6rdenversagen.<\/strong> Auch wenn kein Adoptivelternpaar Angst haben muss, dass ihnen die Kinder weggenommen werden \u2013 denn das ist laut Anwalt Agstner nur auf ihren eigenen Antrag oder den Antrag eines vollj\u00e4hrigen Adoptivkindes m\u00f6glich \u2013, bleibt doch ein schaler Nachgeschmack. Das Wissen, dass die Beh\u00f6rden offenbar diese F\u00e4lle nicht verhindern k\u00f6nnen, ist beunruhigend. Es ist bewundernswert, wenn Familien wie die Klepps die Dokumente ihres Sohnes akribisch und unter enormem Aufwand pr\u00fcfen \u2013 doch eigentlich sollte das nicht ihre Aufgabe sein.<\/p>\n<p>Es ist eine dringliche Aufgabe der Politik, diese Familien nicht im Stich zu lassen, sondern mit klaren gesetzlichen Regelungen Auslandsadoption auf neue Beine zu stellen. Denn f\u00fcr viele Ehepaare ist die Auslands\u00adadoption die einzige Chance auf ein Kind, da die Warteliste f\u00fcr Inlandsadoptionen enorm lang ist. Sie haben zudem die Hoffnung, dass sie einem Kind aus dem Ausland Chancen geben k\u00f6nnten, die es anders wom\u00f6glich nicht h\u00e4tte. In anderen L\u00e4ndern ist die Auslandsadoption l\u00e4ngst professioneller organisiert \u2013 wie beispielsweise in Island. Dort k\u00e4mpft sich nicht jede einzelne Jugendwohlfahrt durch ausl\u00e4ndische Dokumente, sondern eine Zentralstelle b\u00fcndelt das Know-how der Mitarbeiter. Wenn gesichert ist, dass Auslandsadoptionen seri\u00f6s durchgef\u00fchrt werden, k\u00f6nnen sie auch endlich wieder als das begriffen werden, was sie sind: eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr Kinder, Eltern und die Gesellschaft.<\/p>\n<p><em>Von Andrea Rexer<\/em><br \/>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Date:2009-01-19 Source:Profil Zwei \u00e4thiopische Kinder M\u00fctter klagen an Ihre Kinder seien nach \u00d6sterreich verkauft worden Plus Video: Zwei M\u00fctter vermissen ihre Kinder<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1523"}],"collection":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1523"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1523\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1525,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1523\/revisions\/1525"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1523"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1523"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1523"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}