{"id":341,"date":"2010-01-12T14:27:13","date_gmt":"2010-01-12T14:27:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.againstchildtrafficking.org\/new\/?p=341"},"modified":"2010-07-29T14:29:50","modified_gmt":"2010-07-29T14:29:50","slug":"gluck-auf-bestellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/gluck-auf-bestellung\/","title":{"rendered":"Gl\u00fcck auf Bestellung"},"content":{"rendered":"<div>Source: <a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitun\" target=\"_blank\">www.berlinonline.de\/berliner-zeitun<\/a><\/div>\n<p>Archiv \u00bb 2010 \u00bb 12. Januar \u00bb Seite 3<\/p>\n<p>Auslandsadoptionen sind f\u00fcr Eltern oft die letzte Chance, eine Familie zu gr\u00fcnden. Dahinter steht eine m\u00e4chtige Lobby &#8211; bis hin zum Kinderhandel<\/p>\n<p>Thomas Schuler<\/p>\n<p>STRASSBURG. Manchmal muss man einen Umweg nehmen, um ans Ziel zu kommen. Roelie Post w\u00e4re in vier Stunden mit dem Auto von Br\u00fcssel nach Stra\u00dfburg gefahren. Stattdessen fuhr sie mit dem Zug nach Amsterdam und flog von dort nach Stra\u00dfburg. Statt vier war sie mehr als acht Stunden unterwegs, damit sie dieselbe Maschine wie die Regierungsvertreter nehmen konnte. Sie wollte mit ihnen ankommen.<\/p>\n<p>Roelie Post kennt die Spielregeln, die bei Verhandlungen Eindruck machen. Zwanzig Jahre lang war sie selbst Beamtin in der Europ\u00e4ischen Union, von 1999 bis 2005 zust\u00e4ndig f\u00fcr die EU-Erweiterung und Auslandsadoptionen aus Rum\u00e4nien. Sie kennt auch die Umwege, die man in Br\u00fcssel nimmt, um ans Ziel zu kommen. Das macht sie f\u00fcr ihren ehemaligen Arbeitgeber zu einer Gegnerin, die man ernst nehmen muss.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Als Kommission und Europarat Anfang Dezember rund 150 Experten und Regierungsvertreter zu einer zweit\u00e4gigen Konferenz nach Stra\u00dfburg einluden, ging es offiziell um die Aktualisierung einer Konvention aus dem Jahr 1967. Roelie Post, 50, dagegen wusste es besser. In Wirklichkeit, sagt sie, sei es darum gegangen, einen Markt zu \u00f6ffnen, der seit 2001 verschlossen ist. Damals hatte Rum\u00e4nien ein Moratorium gegen Auslandsadoptionen verh\u00e4ngt. Nun wolle die EU unter dem Deckmantel der Einf\u00fchrung einer so genannten Europ\u00e4ischen Adoption Kinderhandel legalisieren, sagt Roelie Post. Tats\u00e4chlich best\u00e4tigte eine Mitarbeiterin der Kommission einem rum\u00e4nischen Journalisten, dass das Ziel der Konferenz das Ende des Moratoriums sei.<\/p>\n<p>Nach dem Ende des Kommunismus wurden innerhalb von zehn Jahren mehr als 30 000 Kinder ins Ausland vermittelt. Die meisten von ihnen waren keine Waisen. Mitunter wurden Kinder zur Adoption freigegeben, deren Eltern dazu nie ihr Einverst\u00e4ndnis gegeben hatten. Eltern wurden am Besuch von Kinderheimen gehindert, um die Kinder als alleingelassen auszugeben &#8211; eine Bedingung f\u00fcr die Adoption. Adoptionsbewerber aus Rum\u00e4nien selbst hatten keine Chance. Sie konnten sich das nicht leisten. Etwa 30 000 Dollar an Geb\u00fchren zahlten Amerikaner f\u00fcr ein Kind. Das macht bei 30 000 Kindern einen Umsatz von 900 Millionen Dollar. Eine Zahl, die die ehemalige Leiterin der rum\u00e4nischen Adoptionsbeh\u00f6rde, Theodora Bertzi, im Jahr 2006 f\u00fcr &#8222;nicht \u00fcbertrieben&#8220; hielt. Im Gegenteil: sie sch\u00e4tzte die Summe, die durch Adoptionen verdient wurde, sogar noch h\u00f6her, auf rund eine Milliarde Dollar. Diese Unsumme schuf in Rum\u00e4nien ein unkontrolliertes, mafi\u00f6ses System aus Vermittlungsagenturen, die vor allem am Profit und nicht am Wohl der Kinder interessiert waren.<\/p>\n<p>Etwa die H\u00e4lfte dieser Kinder kamen in die USA, die andere H\u00e4lfte nach Europa, auch nach Deutschland. Heute leben in Rum\u00e4nien 22 000 Kinder in stark verbesserten, staatlichen Heimen; weitere 21 000 sind bei Pflegeeltern untergebracht. Nur 700 bis 800 gelten als adoptionsf\u00e4hig. Auf jedes dieser Kinder warten zwei bis drei rum\u00e4nische Paare, wie der Vertreter von Unicef in Rum\u00e4nien best\u00e4tigt. Eigentlich br\u00e4uchte es also keine internationalen Bewerber.<\/p>\n<p><strong>Per Katalog<\/strong><\/p>\n<p>Kaum hatte Rum\u00e4nien das Moratorium 2001 durchgesetzt, prozessierte eine amerikanische Vermittlungsagentur dagegen &#8211; ohne Erfolg. Die USA forderten fortan zahlreiche Ausnahmen. Angeblich ging es dabei nur um F\u00e4lle, deren Verfahren vor dem Stopp begonnen wurde. Doch die meisten wurden erst danach in die Wege geleitet. Bis zum Jahr 2004 wurde im Schnitt fast t\u00e4glich eine Ausnahme durchgesetzt &#8211; auf diese Weise kamen noch einmal rund 1 000 Kinder ins Ausland, wie aus einem Schreiben der rum\u00e4nischen Adoptionsbeh\u00f6rde hervorgeht. Rum\u00e4nien wurde zu einem Selbstbedienungsladen. Jemand wie Roelie Post, die nicht wegsehen wollte, st\u00f6rte da nur. Einflussreiche Europapolitiker, die f\u00fcr ein Ende des Moratoriums eintraten, beschwerten sich \u00fcber sie. Sie sp\u00fcrte den Druck innerhalb der EU-Beh\u00f6rde.<\/p>\n<p>Als ihr Chef G\u00fcnther Verheugen sein Amt als EU-Kommissar f\u00fcr die Erweiterung abgab, wurde Roelie Post \u00fcber Nacht versetzt, offiziell wegen Differenzen mit ihrem Referatsleiter und wegen Sicherheitsrisiken, denn inzwischen f\u00fchlte sie sich mehrfach bedroht und verfolgt. Sie selbst h\u00e4tte sich deshalb nicht versetzen lassen, sagt sie, aber die Beh\u00f6rde argumentierte, eine Versetzung sch\u00fctze sie. Als sie aus dem Urlaub zur\u00fcckkam, musste sie in einem leeren B\u00fcro arbeiten und &#8222;in einem Job, den es nicht gab&#8220;, wie sie sagt. Sie f\u00fchlte sich geg\u00e4ngelt, wurde krank.<\/p>\n<p>Als Therapie schrieb die Niederl\u00e4nderin ihre Erlebnisse auf und verlegte das Buch im Selbstverlag. Der Titel &#8222;Romania &#8211; For Export Only&#8220; klingt ganz bewusst nach Angebot und Nachfrage. Das Buch erschien 2007. Zahlreiche im Buch genannte Personen, deren problematische Rolle sie beschrieb, bestellten es bei ihr. Aber niemand wagte es, Klage einzureichen. Im September best\u00e4tigte ihr ehemaliger Chef Verheugen gegen\u00fcber dem WDR all das, was Roelie Post aufgeschrieben hat. &#8222;Es gibt eine sehr gut organisierte Lobby, die unter dem Deckmantel von Adoptionen in Wahrheit eine Art von Kinderhandel betreibt&#8220;, sagte der Europa-Kommissar und sprach von &#8222;Kinderbeschaffungspolitik&#8220;. Er habe &#8222;mit eigenen Augen gesehen, dass in interessierten Kreisen Kataloge gehandelt wurden, in denen man sich ein Kind aussuchen konnte&#8220;.<\/p>\n<p>Als 2001 der rum\u00e4nische Premierminister Adrian Nastase in Washington den amerikanischen Verteidigungsminister Colin Powell besuchte, ging es zwar formell um Rum\u00e4niens Beitritt zur Nato. Doch eigentlich wollte Powell \u00fcber Tausende amerikanische Adoptiveltern reden, die auf ihre Kinder warteten. Powell forderte, es m\u00fcsse Ausnahmen geben vom Adoptionsstopp. Verheugen sagte, dass die USA &#8222;eine politische Verbindung hergestellt haben zwischen der Freigabe von Kindern zur Adoption, und dem Beitritt Rum\u00e4niens zur Nato, das habe ich nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten.&#8220; Als er es erfuhr, wandte er sich an die amerikanische Botschaft. Dort best\u00e4tigte man der EU schriftlich, wenn das Moratorium fortbestehe, k\u00f6nne man nicht garantieren, dass amerikanische Abgeordnete f\u00fcr den Beitritt zur Nato stimmten.<\/p>\n<p>Der politische Druck sei &#8222;immer wieder aus denselben L\u00e4ndern&#8220; gekommen, sagte Verheugen: aus Frankreich, aus Italien, Spanien, aus Israel und aus den USA. Der B\u00fcrgermeister von Bukarest verk\u00fcndete die Ausnahmen gar auf einer &#8222;Lobbyliste&#8220;. F\u00fcr jedes adoptierte Kind stand ein Spitzenpolitiker Pate: US-Senatoren wie Edward Kennedy, John Kerry, sogar Romano Prodi, der EU-Kommissionspr\u00e4sident. &#8222;Ich war entsetzt&#8220;, sagte Verheugen. &#8222;Ich habe dann in meinem wie ich glaube emotionalsten Auftritt in meinen ganzen Jahren hier in Br\u00fcssel die Kollegen ins Bild gesetzt.&#8220; Prodi zog sich zur\u00fcck, aber der italienische Staatschef Silvio Berlusconi forderte und erhielt hundert Ausnahmekinder f\u00fcr Adoptiveltern. Im Interview mit dem WDR zog Verheugen eine ern\u00fcchternde Bilanz: &#8222;Die Frage der rum\u00e4nischen Kinder war f\u00fcr mich eine der bittersten und schmerzhaftesten Erfahrungen meines ganzen politischen Lebens.&#8220;<\/p>\n<p>War? Beginnt nun alles von vorne? Bei der Konferenz in Stra\u00dfburg machten Kommission und Europarat nun politischen Druck, indem sie sich mit Lobbygruppen gleichgeschlechtlicher Paare zusammentaten. In Stra\u00dfburg waren Leute wie Robert Wintemute aus London eingeladen, ein Professor f\u00fcr Menschenrechte, um \u00fcber &#8222;gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen&#8220; zu sprechen, die man bei der Frage, wer adoptieren d\u00fcrfe, ber\u00fccksichtigen m\u00fcsse. Am Ende des Vortrags sagte er, dass er schwul und 52 Jahre alt sei und gerne gemeinsam mit seinem Freund ein Waisenkind adoptieren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Die Vorbereitungen f\u00fcr die \u00d6ffnung des Marktes in Rum\u00e4nien laufen seit Jahren. Einer der Drahtzieher ist der Chef der franz\u00f6sischen Adoptionsorganisation SERA, Francois de Combret. Er war in Stra\u00dfburg nicht anwesend, aber die Konferenz atmete seinen Geist. Vor drei Jahren hatte die Adoptionslobby an gleicher Stelle die Abgeordneten im EU-Parlament dazu gebracht, das Ende des Moratoriums zu fordern. Kommission und Parlament begannen an einer Europ\u00e4ischen Adoptionspolitik zu arbeiten. Der EU-Abgeordnete Jean-Marie Cavada forderte damals: &#8222;Seit f\u00fcnfzig Jahren l\u00e4sst Europa alles M\u00f6gliche in Europa frei zirkulieren. Wir alle haben einen Pass mit Sternchen drauf. Au\u00dfer den Kindern in den Waisenh\u00e4usern, die sollen keine Europ\u00e4er sein. Denen sagt man: Du bleibst, wo du bist. Wir wollen das \u00e4ndern.&#8220; Nach dem freien Warenverkehr m\u00fcsse nun der freie Verkehr von Kindern gew\u00e4hrleistet sein.<\/p>\n<p><strong>Die Welt in Rot, Gr\u00fcn und Blau<\/strong><\/p>\n<p>Dass Rum\u00e4nien sich nicht f\u00fcr die Welt \u00f6ffnen will, ist f\u00fcr die Adoptionslobby kein Problem. Jede Adoption innerhalb Europas soll k\u00fcnftig europ\u00e4isch sein. Registriert und \u00fcberwacht von einer europ\u00e4ischen Adoptionsbeh\u00f6rde. Das w\u00fcrde die Abschaffung der nationalen Adoption bedeuten. Nicht mehr Kommunen, sondern die EU w\u00e4re zust\u00e4ndig. Am Ende des zweiten Konferenztages pr\u00e4sentierte die Vertreterin der Kommission dazu Studien, die angeblich belegen, dass sich die B\u00fcrger in Europa eine solche europ\u00e4ische Regelung w\u00fcnschten. Die Studien lie\u00df sich die EU mehr als 300 000 Euro kosten. Kennen die B\u00fcrger, die man befragte, den wahren politischen Hintergrund? Wohl kaum. Alle im Saal, die davon h\u00f6ren, waren \u00fcberrascht. Alle &#8211; mit Ausnahme von Roelie Post.<\/p>\n<p>Sie bezieht \u00fcbrigens ihr Gehalt weiter aus Br\u00fcssel und darf mit Erlaubnis der EU ganz offiziell in ihrer Organisation gegen Kinderhandel (&#8222;Against Child Trafficking&#8220;) arbeiten. Eine merkw\u00fcrdige Situation, denn immerhin bek\u00e4mpft ihre Organisation die Politik der EU. Roelie Post bezahlt alle Ausgaben f\u00fcr ihr Engagement selbst. In ihrer Arbeit wird sie von Arun Dohle, 36, aus Aachen unterst\u00fctzt. Roelie Post wohnt 200 Meter von der EU-Zentrale in Br\u00fcssel entfernt in einem alten Haus. Es umfasst vier Etagen, im Souterrain haben Arun und Roelie zwei Arbeitszimmer. Ihr Mitarbeiter Arun Dohle wurde in Indien von Deutschen adoptiert. Vor zehn Jahren gab er seinen Job als Unternehmensberater auf, um Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten bei seiner eigenen Adoption nachzugehen und seine Mutter zu suchen. Vergeblich. Er vermutet, dass er das uneheliche Kind eines sehr einflussreichen Inders ist, der seine Nachforschungen behindert, um seinen Ruf zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Roelie und Arun verbindet ein gemeinsames Ziel: die Abschaffung der Auslandsadoption. An der Wand ihres B\u00fcros h\u00e4ngt eine Weltkarte mit gr\u00fcnen, roten und blauen Stecknadeln. Gr\u00fcn sind die &#8222;offenen&#8220; Adoptionsl\u00e4nder, rot die L\u00e4nder, die die T\u00fcren geschlossen haben. Blau steht f\u00fcr die Regionen, in denen Roelie Post und Arun Dohle bisher recherchiert haben: Malawi, \u00c4thiopien, China, Peru und Indien. Ihr Ziel ist eine rote Welt. In f\u00fcnf Jahren sollen Auslandsadoptionen gestoppt sein. Bis August 2011 ist Roelie Post von der EU freigestellt, dann kann die EU wieder \u00fcber sie verf\u00fcgen. Wom\u00f6glich muss sie dann ihre Arbeit gegen illegalen Kinderhandel aufgeben.<\/p>\n<p>Dabei ist das Engagement der beiden notwendig. Denn die Welt der Adoptionen ist eine Welt ohne echte Kontrolle. Das B\u00fcro der Haager Konvention, die die Regeln aufstellt, ermittelt so wenig wie staatliche Beh\u00f6rden. Dabei w\u00e4ren unabh\u00e4ngige Untersuchungen \u00fcberall angesagt.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dften deutschen Vermittlungsagentur International Child Care Organisation wurde wegen Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten die Lizenz entzogen, aber ein Verfahren steht immer noch aus. Family For You, die gr\u00f6\u00dfte Agentur in \u00d6sterreich, ist in Konkurs gegangen, aufgrund von Schadenersatzforderungen, weil sie Kinder fahrl\u00e4ssig f\u00e4lschlich als Waisen vermittelt hat. Die Staatsanwaltschaft unternimmt nichts. Pro Infante? Geschlossen, weil die Agentur falsche Waisen aus Indien nach Deutschland vermittelte. Hunderte F\u00e4lle wurden nie untersucht und nie aufgekl\u00e4rt. Terre des Hommes, die in den 70er-Jahren gr\u00f6\u00dfte deutsche Agentur, hat die Vermittlung eingestellt, weil die Mitglieder es wegen Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten so wollten.<\/p>\n<p><strong>Madonnas schlechtes Beispiel<\/strong><\/p>\n<p>Roelie Post und Arun Dohle sto\u00dfen immer wieder auf F\u00e4lle, bei denen Papiere manipuliert und Kinder f\u00e4lschlicherweise als Waisen vermittelt wurden, weil jemand daran gut verdiente. Hundert solcher F\u00e4lle haben sie bislang gesammelt. Sie glauben, dass weit mehr Adoptionen fehlerhaft verlaufen. Arun Dohle ist 2009 eine Woche durch Malawi gereist und hat mit Menschenrechtsgruppen, Journalisten und Richtern \u00fcber Madonnas geplante Adoption gesprochen. Das rechtliche Konzept einer Adoption und seiner Konsequenzen sei dort nicht bekannt gewesen, sagt Roelie Post. Zwar hat das Gericht in zweiter Instanz Madonnas Adoptionsgesuch bewilligt. Dennoch werten beide ihren Einsatz als Erfolg. Ihre Einsch\u00e4tzungen und Argumente seien in vielen Berichten, bis hin zu Gerichtspapieren, aufgetaucht. Vor allem aber sei es der Adoptionslobby nicht gegl\u00fcckt, Malawi f\u00fcr Adoptionen zu \u00f6ffnen. Madonnas Adoption sei ein Einzelfall geblieben.<\/p>\n<p>Die Arbeit von Dohle und Post sei wichtig, sagt Wolfgang Weitzel, der Leiter der Bundeszentralstelle f\u00fcr Auslandsadoption in Bonn, denn es gebe zu viele Leute, die ihren Kinderwunsch r\u00fccksichtslos durchsetzten. Es sei notwendig, Missst\u00e4nde aufzukl\u00e4ren. Der Verlauf der Konferenz in Stra\u00dfburg, sagt er, &#8222;hat mir Angst gemacht&#8220;.<\/p>\n<p>Alles schien gut inszeniert zu sein. Eine junge Teilnehmerin, die sich als Maria Mirabella vorstellte, sagte, sie sei einst aus einem Heim in Rum\u00e4nien nach Italien adoptiert worden und setze sich seit Jahren f\u00fcr ein Ende des Moratoriums ein. Als sie ihr Heim in Rum\u00e4nien besucht habe, h\u00e4tten die Kinder sie gebeten, dass sie f\u00fcr ihre Adoption k\u00e4mpfe. &#8222;Mira, tu was, such uns eine Familie, haben sie gesagt. Ich bin gekommen, um Ihnen diesen Wunsch mitzuteilen.&#8220;<\/p>\n<p>Thomas Klippstein, der Chef der deutschen Delegation, die das Justizministerium nach Stra\u00dfburg entsandt hatte, griff zum Mikrofon und sprach von &#8222;vielen Gemeinsamkeiten&#8220;, aber auch &#8222;erheblichen Unterschieden&#8220; unter den Teilnehmern. Die Haager Konvention sei verbesserungsw\u00fcrdig, aber er sei &#8222;nicht \u00fcberzeugt, eine zus\u00e4tzliche Rechtsebene einzuziehen&#8220;. Sofern es bei diesem Nein bleibt, ist die Europ\u00e4ische Adoption erledigt.<\/p>\n<p>Roelie Post hatte Klippstein bereits im Vorfeld mehrfach gesprochen und \u00fcber die Hintergr\u00fcnde aufgekl\u00e4rt. Er sei interessiert gewesen, sagt sie, habe aber die Zusammenh\u00e4nge nicht glauben wollen. Bis zur Konferenz. Der Unmut \u00fcber den Verlauf der Debatte war ihm anzusehen; Roelie Post und Arun Dohle dagegen wirkten zufrieden. &#8222;Wir sind nicht gegen Adoption, sondern gegen Kinderhandel&#8220;, sagt Roelie Post. &#8222;Leider l\u00e4sst sich bei Auslandsadoptionen beides nicht voneinander trennen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Warten und hoffen<\/p>\n<p>In Deutschland kommen auf ein freigegebenes Kind etwa zehn Eltern, die ein Kind zur Adoption suchen. Motive f\u00fcr eine Auslandsadoption sind laxere Bestimmungen und k\u00fcrzere Wartezeiten. Etwa ein Drittel der in Deutschland adoptierten Kinder, insgesamt 709, kam im Jahr 2007 aus dem Ausland, die meisten aus Russland und der Ukraine.<\/p>\n<p>Weltweit f\u00fchrend bei Auslandsadoptionen sind die USA. In Europa liegen Italien, Spanien und Frankreich an der Spitze. Gemessen an der Gesamtbev\u00f6lkerung ist der Anteil fremdl\u00e4ndischer Kinder in Schweden und Norwegen am gr\u00f6\u00dften.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Foto: Kinder in der rum\u00e4nischen Provinz. Nach Ende des Kommunismus wurden 30 000 M\u00e4dchen und Jungen ins Ausland vermittelt.<\/p>\n<p>Foto: Aktivisten: Arun Dohle und Roelie Post (r.) k\u00e4mpfen gegen die Einf\u00fchrung einer europ\u00e4ischen Adoption. Sie meinen, dass die EU damit den Kinderhandel f\u00f6rdere.<br \/>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Source: www.berlinonline.de\/berliner-zeitun Archiv \u00bb 2010 \u00bb 12. Januar \u00bb Seite 3 Auslandsadoptionen sind f\u00fcr Eltern oft die letzte Chance, eine Familie zu gr\u00fcnden. Dahinter steht eine m\u00e4chtige Lobby &#8211; bis hin zum Kinderhandel Thomas Schuler STRASSBURG. Manchmal muss man einen Umweg nehmen, um ans Ziel zu kommen. Roelie Post w\u00e4re in vier Stunden mit dem&#8230;  <a class=\"excerpt-read-more\" href=\"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/gluck-auf-bestellung\/\" title=\"Read Gl\u00fcck auf Bestellung\">Weiter &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,10,18],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341"}],"collection":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=341"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":345,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341\/revisions\/345"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}