{"id":4716,"date":"2014-08-20T12:44:26","date_gmt":"2014-08-20T12:44:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.againstchildtrafficking.org\/?p=4716"},"modified":"2014-08-20T18:45:34","modified_gmt":"2014-08-20T18:45:34","slug":"angebliches-waisenkind-aus-indien-ich-wollte-nicht-adoptiert-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/angebliches-waisenkind-aus-indien-ich-wollte-nicht-adoptiert-werden\/","title":{"rendered":"Angebliches Waisenkind aus Indien: &#8222;Ich wollte nicht adoptiert werden&#8220;"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div>\n<div>Date: 2014-08-20<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>Source:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/gesellschaft\/adoption-aus-indien-maria-chaya-schupp-sucht-ihre-leibliche-mutter-a-983885.html#spRedirectedFrom=www&amp;referrrer=\" target=\"_blank\">http:\/\/www.spiegel.de<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Von Ulrike Putz, Ullal<\/p>\n<p>Suche nach leiblicher Mutter: Chayas KampfFotos<br \/>\nSPIEGEL ONLINE<br \/>\nIhre Mutter arbeitete als Prostituierte, sie selbst landete im Heim, indische Nonnen vermittelten sie nach Deutschland. Jetzt hegt Maria Chaya Schupp den Verdacht, unrechtm\u00e4\u00dfig adoptiert worden zu sein.<\/p>\n<p>Maria Chaya Schupp hat ihre Sandalen ausgezogen und in die Hand genommen, sie ist in die Brandung gewatet. Nun umsp\u00fclen die Wellen des Indischen Ozeans ihre F\u00fc\u00dfe und machen ihr die Hosenbeine bis zu den Knien nass. Wie vor 33 Jahren, als Chaya oft an diesem Strand spielte, w\u00e4hrend sie auf ihre Mutter wartete.<\/p>\n<p>&#8222;Sie kam an den Wochenenden, um mich zu besuchen&#8220;, sagt Chaya, die damals in dem Geb\u00e4ude lebte, dessen Dach zwischen den Kokospalmen am Ende des Strandes hervorlugt: ein Kinderheim, betrieben von dem Nonnenorden der &#8222;Schwestern der N\u00e4chstenliebe&#8220;. Ihre Mutter, eine junge, unverheiratete Inderin, hatte sie dort in Pflege gegeben.<!--more--><\/p>\n<p>Doch eines Tages war es mit den Treffen vorbei. Chaya wurde von den Nonnen als angebliche Waise nach Deutschland vermittelt. &#8222;Ausgesetzt&#8220; steht in den Dokumenten, die den deutschen Adoptiveltern 1981 mit ein paar Kinderbildern Chayas zugeschickt wurden.<\/p>\n<p>In Indien wurde nie eine Vermisstenmeldung f\u00fcr Chaya registriert. Traute sich ihre Mutter nicht zur Polizei? Wollte sie vielleicht gar nicht um ihre Tochter k\u00e4mpfen? Oder h\u00e4tte die Beschwerde einer unverheirateten Frau aus einer niedrigen Kaste ohnehin keine Chance gehabt? Auf all diese Fragen sucht Chaya eine Antwort.<\/p>\n<p>Warum mauern die Nonnen?<\/p>\n<p>Ihre Mutter, da ist sie heute sicher, w\u00e4re mit der Adoption niemals einverstanden gewesen. &#8222;Ich war sechs Jahre alt, als ich aus Indien weg bin. Mit sechs erinnert man sich an viel. Ich wei\u00df: Ich wollte nicht adoptiert werden. Ich war gl\u00fccklich hier. Meine Mutter liebte mich&#8220;, sagt die 38-J\u00e4hrige im Fischer\u00f6rtchen Ullal an der S\u00fcdwestk\u00fcste Indiens.<\/p>\n<p>Vor der Polizeistation dr\u00e4ngen sich an diesem tropisch-schw\u00fclen Vormittag die Wartenden. Chaya f\u00e4llt nur durch die westliche Kleidung auf &#8211; ansonsten sieht sie wie die Einheimische aus, die sie als Kind war. Heute ist Chaya Deutsche, lebt in Dieburg s\u00fcdlich von Frankfurt am Main und benutzt dort auch den Namen, den ihr ihre Adoptiveltern gegeben haben: Maria Schupp. Sie schreibt an der Uni Kassel ihre Doktorarbeit in Soziologie und verdient nebenbei als Erzieherin ihr Geld. Doch die Vergangenheit l\u00e4sst sie nicht los: Sie will ihre leibliche Mutter wiederfinden. Denn die hat sie nie vergessen, im Gegensatz zu ihrer Muttersprache Kannada.<\/p>\n<p>Seit 2005 hat Chaya einen Gro\u00dfteil ihres Urlaubs auf Reisen nach Indien verwendet. Die Kosten sch\u00e4tzt sie auf gut 30.000 Euro. Ihre Adoptiveltern, Ingrid und Wolfgang Schupp, unterst\u00fctzen sie bei ihrer Suche, die l\u00e4ngst zum Kampf geworden ist. Denn die Nonnen mauern. Der Orden behauptet, es gebe keine Unterlagen f\u00fcr Adoptionen aus Ullal zwischen den Jahren 1974 und 1981. Irgendwer habe da wohl geschlampt.<\/p>\n<p>Allerdings konnte Eva Dohle, die ebenfalls aus dem hiesigen Heim nach Deutschland vermittelt wurde, 2006 Einblick in die damals noch vorhandenen Unterlagen zu ihrer 1976 abgewickelten Adoption nehmen. Dank der Akten fand Dohle ihre leibliche Mutter wieder, die nie in die Adoption eingewilligt hatte. Andere Betroffene wurden hellh\u00f6rig, wollten ebenfalls Einblick &#8211; da waren die dicken, handgeschriebenen Register dann pl\u00f6tzlich verschwunden.<\/p>\n<p>&#8222;Da ist ganz klar etwa faul&#8220;, sagt ein Polizist<\/p>\n<p>Seit 2005 hat Chaya ihren Fall in immer h\u00f6heren Instanzen vor indische Gerichte gebracht und immer wieder Teilerfolge erzielt: Sie hat das Recht zu erfahren, wie ihre Mutter hie\u00df, wo sie wohnte. Bereits mehrfach haben Polizisten deshalb das Heim nach den verschwundenen Unterlagen durchsucht.<\/p>\n<p>Polizeikommissar Ramesh Hanapur, bei dem Chaya heute wieder einmal vorspricht, sagt unverbl\u00fcmt, er glaube, dass die Nonnen Beweise zur\u00fcckhalten. &#8222;Da ist ganz klar etwas faul.&#8220; Auch er glaube, dass die Nonnen in einigen F\u00e4llen wohl nicht die Einwilligung der leiblichen Eltern zu den Adoptionen eingeholt h\u00e4tten und das nun vertuschen wollten. So richtig aktiv werden kann oder will der Polizeichef trotzdem nicht &#8211; auf Nachfragen wiegt er nur vage den Kopf.<\/p>\n<p>Das Nirmala-Heim liegt keine 500 Meter von der Polizeiwache entfernt: Ein tropischer Garten, im Schatten der Kokospalmen stehen h\u00fcbsche Bungalows, dahinter rauscht das Meer. Die Oberschwester ist nicht da, eine Schwester Vera sagt, das Archiv sei nicht zug\u00e4nglich, und die Nonnen h\u00e4tten seit Jahren keine Kinder mehr vermittelt.<\/p>\n<p>Auch wenn das stimmen sollte: Der Ruf hallt immer noch nach. W\u00e4hrend Schwester Vera dabei ist, den Besuch abzuwimmeln, klingelt das Telefon, eine Novizin geht ran: &#8222;Schwester Vera, es ist wieder die Frau von der Agentur, wegen der Adoption&#8220;, ruft sie durch die Eingangshalle. &#8222;Sp\u00e4ter&#8220;, zischt die Nonne.<\/p>\n<p>Vor Gericht hat der Orden die Vorw\u00fcrfe abgestritten, die Schwestern h\u00e4tten Chaya illegal zur Adoption nach Deutschland vermittelt. Bis 1984 h\u00e4tten indische Institutionen keine Lizenz f\u00fcr Auslandsadoptionen ben\u00f6tigt. Es sei &#8222;\u00fcblich&#8220; gewesen, Kinder ins Ausland zu vermitteln, die bei ihnen in Pflege gegeben worden seien. Die genauen Vorg\u00e4nge k\u00f6nnten nicht rekonstruiert werden, weil die betreffenden Schwestern inzwischen gestorben seien. Die derzeitige Oberschwester war auch auf mehrfache Nachfrage nicht zu sprechen<\/p>\n<p>&#8222;Sie haben sich angema\u00dft, Schicksal zu spielen&#8220;<\/p>\n<p>Bei einem scharfen Linsengericht im lokalen Imbiss sagt Chaya, dass sie im Prinzip nicht gegen Auslandsadoptionen sei. Nat\u00fcrlich k\u00f6nne man sich fragen, was aus ihr geworden w\u00e4re, wenn sie weiter in Indien aufgewachsen w\u00e4re. &#8222;Aber darum geht es ja nicht: Es geht darum, dass die Schwestern sich angema\u00dft haben, Schicksal zu spielen.&#8220;<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Sie vermutet, dass die Nonnen einerseits Seelen retten, &#8222;aus kleinen Hindus Christenkinder machen&#8220; wollten. Vor allem aber, so Chayas Vorwurf, soll sich der Orden an den gezahlten &#8222;Geb\u00fchren&#8220; der Adoptiveltern bereichert haben. &#8222;F\u00fcr mich haben die Nonnen 10.000 Mark bekommen&#8220;, sagt sie.<br \/>\nDer Frage, wie das weitere Leben ihrer Mutter verlaufen ist, versucht sich Chaya \u00fcber ihre Doktorarbeit zu n\u00e4hern. Ihre Mutter arbeitete als Prostituierte, daran erinnert Chaya sich. F\u00fcr ihre Uni erforscht sie das Leben der Sex-Arbeiterinnen von Mumbai. Die s\u00fcdindische Metropole hat einen der gr\u00f6\u00dften Rotlichtbezirke Asiens. Chayas Exkursionen f\u00fchren sie in dasselbe Milieu, in dem ihre Mutter damals lebte. &#8222;Ich sehe, dass die Frauen neben ihrem Beruf ein ganz normales Familienleben f\u00fchren.&#8220;<\/p>\n<p>Inzwischen ist Chaya wieder daheim in Hessen. Ihrem n\u00e4chsten Besuch in Indien im September sieht sie mit Hoffnung entgegen: Ihr neuer Anwalt hat die Nonnen inzwischen wegen Kinderhandels vor einen Strafgerichtshof gebracht. &#8222;Der Druck auf die Schwestern steigt&#8220;, sagt Chaya. Nach all den Jahren ist sie zuversichtlich, dass die Suche nach ihrer leiblichen Mutter bald ein Ende finden k\u00f6nnte. Eine d\u00fcrfte bei der Wiedervereinigung dann nicht fehlen: Chayas andere Mutter, Ingrid Schupp. F\u00fcr alle F\u00e4lle wird sie ihre Tochter im Herbst nach Indien begleiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Date: 2014-08-20 Source:\u00a0http:\/\/www.spiegel.de Von Ulrike Putz, Ullal Suche nach leiblicher Mutter: Chayas KampfFotos SPIEGEL ONLINE Ihre Mutter arbeitete als Prostituierte, sie selbst landete im Heim, indische Nonnen vermittelten sie nach Deutschland. Jetzt hegt Maria Chaya Schupp den Verdacht, unrechtm\u00e4\u00dfig adoptiert worden zu sein. 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