{"id":7265,"date":"2001-07-30T13:32:35","date_gmt":"2001-07-30T13:32:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.againstchildtrafficking.org\/?p=7265"},"modified":"2020-04-30T13:40:19","modified_gmt":"2020-04-30T13:40:19","slug":"deutsch-auslandsadoption-oder-kinderhandel-in-rumanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/auslandsadoption-oder-kinderhandel-in-rumanien\/","title":{"rendered":"Auslandsadoption oder Kinderhandel in Rum\u00e4nien?"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<div class=\"field-label-inline-first\">Source: <span style=\"font-family: Arial;\"><a class=\"ext\" href=\"http:\/\/www.deruge.org\/Deutsch\/Hefte\/Hefte-Archiv\/Heft-1-2001\/Wolfgang-Gerts.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.deruge.org<\/a><br \/>\nvon Wolfgang Gerts<\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Der Grat ist schmal. In einem Fachbuch der GZA (\u201eAdoption &#8211; 20 Jahre GZA\u201c, also der \u201eGemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle\u201c) schreibt deren Leiter einen Artikel \u00fcber Kinderhandel. Rum\u00e4nien wird erw\u00e4hnt, nicht direkt bezichtigt, aber schon in den Bereich der L\u00e4nder verwiesen, die mit Adoption ein Gesch\u00e4ft machen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Ob sich das wirklich so verh\u00e4lt, verdient eine kritische Pr\u00fcfung. Solche Reizw\u00f6rter wie \u201eKinderhandel\u201c sind zur Zeit in aller Munde, und nicht selten wird in der deutschen Medienlandschaft unter der Rubrik Kinderhandel manches Konstrukt erzeugt, das n\u00e4herer \u00dcberpr\u00fcfung nicht standh\u00e4lt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Doch zun\u00e4chst m\u00f6chte ich mich kurz vorstellen: 1991 haben meine Frau und ich uns um eine Adoption in Rum\u00e4nien bem\u00fcht. Nat\u00fcrlich, wie denn anders, um einen S\u00e4ugling. Wir fuhren mit einer der vorbildlichsten deutschen Gruppen, die in Rum\u00e4nien arbeitet, in das zweitgr\u00f6\u00dfte Waisenhaus des Landes, nach Cristuru Seciuesc. Anstatt, dass wir einen S\u00e4ugling adoptierten, wurden es zwei durchaus schon herangereifte Kinder: Ramona Maria (damals 8) und Radu Gheorghe (damals 7, heute \u201eGeorg\u201c). Doch der Weg war lang. Nach dem professionellen Verschieben von Kindern in den Westen nach der Wende waren die Grenzen dicht, Rum\u00e4nien musste sich Vorl\u00e4ufern des Haager Adoptions\u00fcbereinkommens beugen, das in Deutschland bis heute noch nicht ratifiziert ist. Es gab keine Adoption nach Deutschland. \u00dcberall sagte man uns: \u201eSie werden keinen Erfolg haben.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Wir schrieben Petitionen an den Bundestag (\u00fcber Rita S\u00fc\u00dfmuth), brachten das Familienministerium zur Wei\u00dfglut und schalteten schlie\u00dflich den SPIEGEL ein. Er brauchte gar nicht zu berichten, Recherchen waren angesichts des bekannten Kinderelends in Rum\u00e4nien ausreichend. Im Juni 1992 schrieben Familienministerium und Bundestag gleichzeitig, dass eine Juristenstelle und eine Mitarbeiterstelle geschaffen w\u00fcrden. Im August unterschrieb Dietrich Genscher einen bilateralen Adoptionsvertrag. Der Weg war frei, unsere Kinder waren mit die ersten, wenn auch die Adoption erst im Alter von 9 Jahren (Georg) und 10 Jahren (Ramona) rechtskr\u00e4ftig wurde. Inzwischen sind wir <span id=\"google-navclient-highlight\">Eltern<\/span>\u00a0von zwei Rum\u00e4nen (Minderheit in einem Szeklerbezirk) und 2 Roma-Kindern.<br \/>\n16 Reisen bisher nach Transsilvanien und mehr als ein Jahr Gastgeberschaft f\u00fcr diverse rum\u00e4nische G\u00e4ste, vor allem aber unser aus diesem Adoptionsbem\u00fchen entstandenes Engagement haben uns in Atem gehalten. Das Elend der Kinder hat uns nie mehr verlassen. Unser Hauptaugenmerk liegt auf einer Auslandsadoption vorzuziehenden L\u00f6sung. Es entstand ein lockerer Verbund von mehreren in Rum\u00e4nien arbeitenden westlichen Gruppen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Wir bauten nicht nur \u201eFamilienh\u00e4user\u201c, sondern wir propagierten sie im Lande. Im Szeklerbezirk Harghita ist kein \u201eLeaganul de Copii\u201c (S\u00e4uglingsheim) mehr vorhanden; das einstmals zweitgr\u00f6\u00dfte und Vorf\u00fchr-Musterheim in Cristuru Secuiesc, ist bisher von 550 auf ca. 300 Kinder verkleinert. Jedes Kind hat ein Recht auf <span id=\"google-navclient-highlight\">Eltern<\/span>, wenn m\u00f6glich, in der eigenen Kultur. Darum hoffen wir, dass auch jedes unserer Kinder seine Heimat so oft wie m\u00f6glich sieht, deutsch u n d rum\u00e4nisch bleiben darf.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Die \u201eFamilienh\u00e4user\u201c sind, obwohl vermutlich niemand in der Legislative je von unserer Arbeit geh\u00f6rt hat, inzwischen Bestandteil der rum\u00e4nischen Gesetzgebung. Das \u201eAmt zum Schutz der Rechte der Kinder\u201c duldet die Entwicklung, weil sie auch ihm eine positive W\u00fcrdigung im Lande bringt. Der Direktor h\u00e4lt nicht ungern Vortr\u00e4ge \u00fcber \u201eseine\u201c Familienh\u00e4user.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Nun zu den Entwicklungen im Adoptionsbereich<br \/>\n1997 ist ein entscheidendes Datum. Das Adoptionssystem wurde umgestellt. Unter der Regide des Adoptionskomitees entstanden zwei entscheidende Neuerungen:<br \/>\nanerkannte gemeinn\u00fctzige Stiftungen m\u00fcssen sich beim RAK (Rum\u00e4nisches Adoptionskomitee) um eine Zulassung bewerben. Sie vertreten jeweils ein ausl\u00e4ndisches Land. Oder, wie die gr\u00f6\u00dfte Rum\u00e4nische Vermittlerin, h\u00e4ufig im eigenen Land als Kinderh\u00e4ndlerin gebrandmarkt, gleich einen Strau\u00df von L\u00e4ndern. Man sagt ihr gute Regierungsbeziehungen nach. Hochrangige Polizisten, die solchen Vorw\u00fcrfen nachgegangen sind, schieben inzwischen Stra\u00dfendienst. Ileana B.-C., die vertritt gleich einen Blumenstrau\u00df von lukrativen L\u00e4ndern, der eine verborgene, aber sicher bedeutsame Gem\u00e4ldesammlung vergr\u00f6\u00dfern hilft. Als einstmals Kontaktanw\u00e4ltin f\u00fcr Deutschland hat sie von uns auch vierstellige Dollarsummen kassiert, ohne je einen Finger ger\u00fchrt zu haben.<br \/>\na) Die deutsche Vermittlungsstelle hat sich von ihr getrennt. Dennoch hat sie im Adoptionswesen mit ihrer \u201eStiftung\u201c Hochkonjunktur.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">b) Es regiert das Punktesystem: Geld bringt Punkte. Punkte bringen Zuweisungen von Kindern. Das neue Punktesystem ist zwar offiziell ohne eine Geldsumme beschrieben, doch die Wahrheit sieht anders aus. Geld bringt Punkte, schlicht und einfach. Mehr Geld bringt mehr Punkte. Anhand der erreichten Punkte werden neue Kinder zugewiesen. Der Zusammenhang zwischen der H\u00f6he der \u201eZwangsspende\u201c und dem Alter eines Kindes ist auch aus deutscher Sicht und Beobachtung nicht abzuleugnen. Der Versuch einer diakonischen Einrichtung in Deutschland, die hier bereits als Adoptionsvermittlungsstelle f\u00fcr Rum\u00e4nien anerkannt ist, statt Geld Hilfsg\u00fcter zu liefern und verrechnen zu lassen ist, gescheitert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">c) Die erste Folge dieses Systems war wohl auch die f\u00fcr gutwollende und -glaubende Erfinder ungew\u00f6hnlich: Mehr und mehr wurden die bisher ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Komitees zum Schutz der Kinder ausgetauscht. Das Punktesystem erlaubte n\u00e4mlich jetzt Verg\u00fctungen, Aufwandsentsch\u00e4digungen. Jetzt wurden die bisher Freiwilligen ausgewechselt gegen Personen, die einen Zuverdienst erwarten konnten. Es wird auch von \u201eDienstfahrzeugen\u201c als Zuwendungsform gesprochen. Ich beziehe mich mit dieser Aussage auf den Bereich, in den ich Einblick habe. Ich will nicht behaupten, dass es landesweit so steht. Hierzu reichen meine Kenntnisse nicht aus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">d) Dies wurde im RAK schlie\u00dflich erkannt und berichtigt. Die f\u00fcr Deutschland inzwischen zust\u00e4ndige Stiftung berichtete, dass k\u00fcnftig Geldleistungen an Jugendhilfeeinrichtungen mit doppelter Punktzahl honoriert werden, wie Leistungen an die Komitees zum Schutz der Kinder.<br \/>\nAllerdings: Jeder Bezirkschef kann selbst ausw\u00e4hlen, welche Adoptionsvermittlungen er an sich und seinen Bezirk (judetul) heranl\u00e4sst. Gerade die f\u00fcr Deutschland zust\u00e4ndige Einrichtung hatte schlechte Karten. Z.B. in xxx ist es ihr nicht gelungen. Der dortige Zust\u00e4ndige hatte \u201eseine\u201c Stiftungen an der Hand. Lukrativ ist eine Stiftung, wenn sie die Bezirksregierung nicht vergisst und sich als deren verl\u00e4sslicher Partner erwiesen hat. Daf\u00fcr verzichtet man schon einmal auf doppelte Punktzahlen. So ist ein gewisses Opfer an die Judetul-Regierung immer n\u00f6tig, wenn man hineinkommen oder nicht herausfliegen will. Dies musste auch die f\u00fcr Deutschland zust\u00e4ndige rum\u00e4nische Stiftung bitter erfahren. Sie agiert in wenigen und weit auseinanderliegenden \u201ejudetului\u201c (jetzt hab ich das erste Mal einen Plural gebildet. Vermutlich falsch.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Es entwickelte sich ein klares Bild: finanzkr\u00e4ftige Geldgeber, wie vor allem die USA, die erheblich gr\u00f6\u00dfere Adoptionszahlen \u00fcberhaupt hat als die Bundesrepublik, aber auch einzelne finanzkr\u00e4ftige Adoptionsbewerber in L\u00e4ndern, wo auf der \u201eprivaten Schiene\u201c noch etwas zu machen ist, werden auch die Empf\u00e4nger f\u00fcr die j\u00fcngeren Kinder. Hier nicht auf Gesetze von \u201eMarkt und Handel\u201c zu kommen, f\u00e4llt schon sehr schwer. Es gibt einen von au\u00dfen nicht durchschaubaren Mechanismus, dass in bestimmte L\u00e4nder auff\u00e4llig viele S\u00e4uglinge veradoptiert werden. Immerhin werden in die USA j\u00e4hrlich mehr Kinder aus Rum\u00e4nien adoptiert, als insgesamt aus allen L\u00e4ndern der Welt nach Deutschland. In D sind die Zahlen kleckerhaft dagegen, obwohl di e \u201eZwangsspenden\u201c f\u00fcr das Jugendhilfesystem Rum\u00e4niens immer weiter in die H\u00f6he kletterten. Die S\u00e4uglinge f\u00fcr die USA, die Kinder ab vier f\u00fcr D (mit Ausnahmen). Man darf hier aber nicht ungerecht sein. Dass die Frage nach zur Adoption frei werdenden Kindern aus Deutschland nicht gerade h\u00e4ufig zum Ziel f\u00fchrt, hat eher mit der besonders restriktiven Vermittlungspraxis unter der Aufsicht deutscher Landesjugend\u00e4mter zu tun.<br \/>\nDie Beobachtungen deutscher Adoptiv<span id=\"google-navclient-highlight\">eltern<\/span>\u00a0und Adoptionsbewerber in der rum\u00e4nischen Adoptionslandschaft schaffen Missmut. Da wird schon einmal ein S\u00e4ugling in pers\u00f6nlicher Begleitung der Leiterin von \u201e<span id=\"google-navclient-highlight\">Eltern<\/span>\u00a0und Kinder\u201c in die USA oder nach Malta geflogen. Da wird schon einmal ein Rassehund zur Erleichterung eines komplizierten Adoptionsfalls mit nach Rum\u00e4nien gebracht. Oder eine schwedische Stiftung gibt im Tausch das Kind an die f\u00fcr ein anderes Land zust\u00e4ndige Stiftung weiter. Diese Tauschverfahren scheinen \u00fcblich zu sein, \u00fcber ihre Motive ist nichts beweisbar. Doch solche Beobachtungen erwecken gro\u00dfen Unmut. Allerdings halten sich solche Vorg\u00e4nge hinsichtlich Deutschland in engen Grenzen. Wir haben eine gute und menschliche Stiftung \u201eabbekommen\u201c. Und es wird auch \u00dcberraschendes geleistet, immer wieder, um Kinder und\u00a0<span id=\"google-navclient-highlight\">Eltern<\/span>\u00a0zueinander zu f\u00fchren. Doch Seit September 2000 hat der Internationale Sozialdienst infolge einer Aufgabenbegrenzung (Starke Stellenstreichungen bei gleichbleibenden Aufgaben, was nur bei einer kaum vertretbaren \u00dcberstundenzahl halbwegs kompensiert werden kann) nur noch wenige Adoptionsbewerbungen in sehr engen Grenzen angenommen. Der Regierungswechsel in Bukarest brachte gleichzeitig (wie bei jedem Regierungswechsel zuvor) einen ADOPTIONSSTOP.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Der ISD lie\u00df das Thema aber nicht im Stich. Sorgf\u00e4ltig wurde nach Nachfolgern gesucht. Die rum\u00e4nische Stiftung und eine Mitgliedin des RAK wurden eingeladen, k\u00fcnftige Entwicklungen zu verfolgen. In Deutschland ist Auslandsadoption zum Markt geworden. Auf Nachfrage des ISD sortierten sich sofort f\u00fcnf Einrichtungen, die sehr gerne die zuk\u00fcnftige Adoptionsvermittlung in Rum\u00e4nien beerben m\u00f6chten. Bis zu einer Regelung wird nur in Ausnahmef\u00e4llen nach Deutschland vermittelt. Das Konkurrenzgerangel muss erst einmal zu einem Sieger f\u00fchren, \u00fcber den letzten Endes ein neu besetztes RAK entscheiden wird. Aber die Positionsk\u00e4mpfe sind eindrucksvoll:<br \/>\nVorrangige Kandidaten sind zwei kleine Einrichtungen, die sich nach einem heftigen Streit voneinander abgesetzt haben, entstanden aus einer Einrichtung zum Erfahrungsaustausch deutscher Adoptiv<span id=\"google-navclient-highlight\">eltern<\/span>\u00a0rum\u00e4nischer Kinder. Sie sind mit der Stiftung lange bekannt, weisen, um den Zuschlag zu erhalten, auf bisher an Geld- und Materialzuwendungen Geleistetes hin. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass gerade die Kleinen es sehr schwer haben werden, Fachkr\u00e4fte voll zu finanzieren. Auch aus solchem Bem\u00fchen steigen die Kosten f\u00fcr Adoptionsbewerber ins Astronomische. Eine dieser Kleinen \u201eZukunft f\u00fcr Kinder\u201c gibt sich innerhalb deutscher Informationsquellen bereits so, als h\u00e4tte sie den \u201eZuschlag\u201c und nimmt bereits, nicht ohne werbende T\u00e4tigkeit, Bewerber an. Eine Zwangsspende von ca. 5.000,&#8211; $ wurde zwar verbal beklagt, aber akzeptiert, auch Gesamtkosten von k\u00fcnftig 30.000,&#8211; DM, was einer Verdoppelung der bisherigen Kosten entspr\u00e4che. &#8211; Den Tatsachen entspricht diese Selbstdarstellung nicht. Der Adoptionsstop dauert an, noch gibt es in Deutschland keine \u201eZukunft f\u00fcr Kinder\u201c aus Rum\u00e4nien.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Ein Landesjugendamt interessiert sich auch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Eine etablierte Adoptionsvermittlung hat gleich einmal 100.000,&#8211; DM als Vorausleistung aus den Mitteln angeboten, die an Adoptionsbewerbern f\u00fcr andere L\u00e4nder als R\u00fccklage zur\u00fcckgelegt wurden. Kommentar \u00fcberfl\u00fcssig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Schlie\u00dflich gibt es noch die \u201e<span id=\"google-navclient-highlight\">Eltern<\/span>-Kind-Br\u00fccke\u201c in Heidelberg. Sie wurde als Adoptionsvermittlung f\u00fcr Rum\u00e4nien gegr\u00fcndet und in Deutschland ausdr\u00fccklich f\u00fcr Rum\u00e4nien anerkannt, schon lange vor dem Entstehen dieser Diskussion. Aber die Anerkennung in Rum\u00e4nien wurde wegen des damals aktiven ISD nicht vollzogen, da man sich dort pro Land einen zentralen Ansprechpartner w\u00fcnscht (was aber l\u00e4ngst nicht immer eingehalten wird, wie das Beispiel Frankreich besonders eindrucksvoll zeigt). Die\u00a0<span id=\"google-navclient-highlight\">Eltern<\/span>-Kind-Br\u00fccke hat absolut seri\u00f6s gearbeitet. Diese Einrichtung ist an die kompetenteste sozialp\u00e4dagogische Instanz der Bundesrepublik gebunden: das Diakonische Werk, das nach Meinung der GZA die gr\u00f6\u00dften Potenzen bietet, sich mehr des Themas Auslandsadoption anzunehmen als bisher (\u00c4thiopien und S\u00fcdafrika). Aber \u201eRusfeti\u201c (griechisch) oder \u201eBakschisch\u201c (t\u00fcrkisch, meint dieselbe Tradition) bleiben unkalkulierbare Faktoren. Kommen sie zum Zuge, hat die\u00a0<span id=\"google-navclient-highlight\">Eltern<\/span>-Kind-Br\u00fccke nicht die geringste Chance. Denn f\u00fcr Geldversprechen ist eine Diakonische Einrichtung in Deutschland nicht zu haben. Was das Vertrauen st\u00e4rken k\u00f6nnte, kann hier sehr leicht eine Motivation bilden, dass diese Einrichtung sang- und klanglos unter den Tisch fallen wird. F\u00fcr eine dauerhafte stabile Zukunft des Adoptionswesens w\u00e4re das schade, weil es sich hier einfach um den potentesten und zuverl\u00e4ssigsten Partner handelt. So ehrenhaft die pers\u00f6nliche Motivation vieler selbst ernannter VermittlerInnen auch ist: sie k\u00e4mpfen finanziell h\u00e4ufig mit dem R\u00fccken zur Wand, haben fehlende oder schwach ausgebildete Logistik, spielen vabanque mit den Bewebern, deren Voreinzahlungen zu Beginn von Adoptionsprozessen dringend ben\u00f6tigt werden, um die n\u00e4chsten Geh\u00e4lter zu zahlen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Also: Nach einem Adoptionsstop soll die Adoption aus Rum\u00e4nien bald wieder freigegeben werden. Angesichts der 120.000 Heimkinder ist die von der Hermannst\u00e4dter Zeitung gemeldete Zahl von 26.000 zur Adoption freigegebenen Kindern eher gering. Amerika bleibt lukrativer als Deutschland. Die Frage, wie je ein notleidendes rum\u00e4nisches Heimkind an eine nur durchschnittlich verdienende deutsche Familie kommen kann, scheint entschieden: dieses wird nicht geschehen. Adoption wird zur Sache von wohlhabenden Leuten, wir gehen schneller, als noch vor einem Jahr geglaubt, auf amerikanische Verh\u00e4ltnisse zu. Ob und nach welchen Kriterien man in Rum\u00e4nien von Kinderhandel sprechen kann, bleibt offen. Dennoch wird eine Entscheidung, wie auch immer, fallen, und zwar wohl in n\u00e4chster Zukunft. Dass Vernunft entscheidet, ist immer noch m\u00f6glich, gro\u00dfe Skepsis aber angebracht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Ich kenne Familien mit einem Gesamteinkommen von ca. 3.000,&#8211; monatlich, die ein rum\u00e4nisches Kind adoptiert haben. Mit Sicherheit werden diese Kinder keine Geschwister aus RO finden. Deborah Fowler, englische adoptiert habende Autorin geht von 450.000 verlassenen Kindern aus (Deborah Fowler, \u201eMichael\u201c, Bastei-L\u00fcbbe), sorgf\u00e4ltig recherchiert. Offizielle und halboffizielle Zahlen lassen \u201enur\u201c 120.000 verlassene Kinder zu. In D sind es immerhin 60.000.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Jedes Kind hat ein RECHT auf <span id=\"google-navclient-highlight\">Eltern<\/span>, doch auch auf seine Kultur. Es sollte viel eher auf Geldgaben darauf geachtet werden, dass jedes rum\u00e4nische Kind, das das Land durch Adoption verlassen wird, eine Chance hat, sich den Zugang zu seinen Wurzeln offen zu halten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Diese Zeilen wurden von einem privaten Beobachter der Adoptionslandschaft geschrieben, der sich nur unter Schwierigkeiten und im Gespr\u00e4ch mit vielen Gleichgesinnten bruchst\u00fcckhaft Informationen beschaffen kann. Sie sollen nicht Ausdruck eines Urteils, wohl aber einer gro\u00dfen Sorgen sein. Abschie\u00dfend eine kl\u00e4rende Feststellung: Es ist kein Unterschied, ob in einem reichen Land die ehemaligen Bundeskanzler oder die Grundst\u00fccksmakler, dopende Sportler oder die Baul\u00f6wen bei wesentlich traurigeren Machenschaften gut wegkommen, oder ob in einem in seiner 2000-j\u00e4hrigen Geschichte auch Menschen eines in 98 % seiner Geschichte unterdr\u00fcckten Landes im \u00dcberlebenskampf Menschen einen pers\u00f6nlichen Vorteil suchen. Die Anklage gilt einem Umstand, nicht einem Land oder seiner Bev\u00f6lkerung: Kinder brauchen <span id=\"google-navclient-highlight\">Eltern<\/span>. Als Vater von vier rum\u00e4nischen Kindern bin ich selbst ein Teil von zwei Kulturen und irgendwie gl\u00fccklich damit. Ich bin mit meinem Namen ein Wikinger, von meiner Mutter her ein Jude, von meiner Geburt her ein Niedersachse, von meinem Glauben her ein Christ, von meinem Empfinden her ein K\u00e4mpfer, von meiner Seele her ein Vater, von meiner Familie her ein deutscher Rum\u00e4ne. Wenn Sie in Rum\u00e4nien adoptieren m\u00f6chten, rechnen Sie damit, dass Sie Ihre Familie ebenfalls zu einer multikulturellen Familie machen, mit allen Folgen. Und seien Sie sehr beharrlich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Wenn Sie nun dennoch in RO adoptieren m\u00f6chten: Willkommen im Club! Da es auf allen Seiten Menschen mit gro\u00dfen und weiten Herzen, mit Liebe und Verstand gibt, k\u00f6nnte es gelingen. Die neueste Nachricht ist allerdings, dass nun auch das \u201ePunktesystem\u201c abgeschafft werden solle. Wodurch es ersetzt wird, wei\u00df niemand.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Literatur:<br \/>\nWolfgang Gerts,<br \/>\nUnsere kleine Rum\u00e4nenbande, ISBN 3-934117-00-7<br \/>\nAnja Wei\u00df, Bruder Jakob, Schwester Jana, ISBN 3-934117-02-3 (Bilderbuch \u00fcber eine Rum\u00e4nienadoption)<br \/>\nWolfgang Gerts, Auslandsadoption &#8211; Das Findbuch!, ISBN 3-934117-03-1<br \/>\nAlle im Kirchturm-Verlag<br \/>\nMartina Gerts e.K., Ramlinger Str. 18, 31303 Burgdorf-Ehlershausen.<br \/>\n<a href=\"mailto:m.gerts@t-online.de\">m.gerts@t-online.de<\/a><br \/>\nzur\u00fcck<\/span><br \/>\n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Source: www.deruge.org von Wolfgang Gerts Der Grat ist schmal. In einem Fachbuch der GZA (\u201eAdoption &#8211; 20 Jahre GZA\u201c, also der \u201eGemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle\u201c) schreibt deren Leiter einen Artikel \u00fcber Kinderhandel. Rum\u00e4nien wird erw\u00e4hnt, nicht direkt bezichtigt, aber schon in den Bereich der L\u00e4nder verwiesen, die mit Adoption ein Gesch\u00e4ft machen. 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