{"id":774,"date":"2010-05-30T16:52:09","date_gmt":"2010-05-30T16:52:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.againstchildtrafficking.org\/new\/?p=774"},"modified":"2017-01-13T12:12:21","modified_gmt":"2017-01-13T12:12:21","slug":"anisha-den-nonnen-auf-der-spur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/anisha-den-nonnen-auf-der-spur\/","title":{"rendered":"Anisha: Den Nonnen auf der Spur"},"content":{"rendered":"<div><span style=\"font-size: small;\">Source:<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/die-welt\/politik\/article7843494\/Anisha-Den-Nonnen-auf-der-Spur.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.welt.de\/die-welt<\/a><br \/>\n30.05.10<\/span><\/div>\n<div><strong><span style=\"font-size: x-large;\"><strong> <\/strong><\/span><\/strong><\/div>\n<div><span style=\"font-size: small;\">von Thomas Vitzthum<\/span><\/div>\n<div><em><em><span style=\"font-size: small;\">Der Satz durchfuhr <\/span><\/em><\/em>Anisha M\u00f6rtl wie ein Blitz: &#8222;Du bist ein gestohlenes Kind.&#8220; Der junge Mann, der sie damit konfrontierte, sah ihr \u00e4hnlich, dunkle Haut, dunkle Haare, dunkle Augen, indisch. Wie sie war er in ein Land zur\u00fcckgekommen, mit dem ihn kaum mehr verband als das Gef\u00fchl, dort eigentlich hinzugeh\u00f6ren. <!--more-->Anisha M\u00f6rtl war 13 Jahre alt, als sie ihre Eltern aus M\u00fcnchen \u00fcberredete, nach Indien zu reisen. Ihre Mutter hatte sich lange gestr\u00e4ubt. &#8222;Sie wollte nicht, dass ich nach meinen Wurzeln suche&#8220;, sagt Anisha.<\/div>\n<div>\n<p><a href=\"http:\/\/googleads.g.doubleclick.net\/aclk?sa=l&amp;ai=Bpn7bu_o-TLnjIo7D_Abksfy8AeOD6NIBo-DpiBTAjbcB8OYXEAEYASCY-qcGOABQu_at__z_____AWCVip6CsAegAdX1y-UDsgELd3d3LndlbHQuZGW6AQoyMDB4MjAwX2pzyAEB2gFhaHR0cDovL3d3dy53ZWx0LmRlL2RpZS13ZWx0L3BvbGl0aWsvYXJ0aWNsZTc4NDM0OTQvQW5pc2hhLURlbi1Ob25uZW4tYXVmLWRlci1TcHVyLmh0bWw_cHJpbnQ9dHJ1ZakCxrM3eGd0tT6oAwHoA-wI6APOB_UDAAAARA&amp;num=1&amp;sig=AGiWqtyb9dUWDRzCN183Q0X593OZ4rG2pw&amp;client=ca-pub-9638257500739576&amp;adurl=http:\/\/www.vaterschaftsanalyse.de\/\" target=\"_blank\"><\/a><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Im Alter von zehn Monaten wurde die heute 19-J\u00e4hrige im indischen Hyderabad abgeholt. Ihre neuen Eltern waren schon an die 40, zu alt, um in Deutschland ein Baby zu adoptieren. Die Auslandsadoption war ihre einzige Chance. Ihre leibliche Mutter habe sie in einem Krankenhaus bei den Schwestern des Schwester-Theresa-Ordens abgegeben. Sie habe schon zu viele Kinder und h\u00e4tte keines mehr ern\u00e4hren k\u00f6nnen &#8211; diese Geschichte wurde Anisha von ihren neuen Eltern erz\u00e4hlt, seit sie sich ihres Andersseins bewusst war.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div><span style=\"font-size: small;\">Nun stand Anisha in Hyderabad einem jungen Mann gegen\u00fcber, der wie sie als Baby adoptiert wurde. Und wie sie hatte er sich auf die Suche nach seinen eigentlichen Eltern gemacht. Dabei war er nicht auf eine r\u00fchrende Geschichte gesto\u00dfen, sondern auf ein Gesch\u00e4ft, das sich nur als Menschenhandel bezeichnen l\u00e4sst. &#8222;,Du bist auch ein gestohlenes Kind&#8216;, sagte er. Das war zu viel f\u00fcr mich, mir wurde schlecht und ich bin umgekippt&#8220;, erz\u00e4hlt Anisha M\u00f6rtl.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: small;\">Mit Adoptivvater und -mutter besuchte Anisha das Krankenhaus des Ordens, von dem ihre Eltern sie seinerzeit bekommen hatten. Eine Schar kleiner Kinder lief ihr entgegen. Aus ihrer Mitte trat Schwester Theresa, eine alte indische Frau. &#8222;Wie sie mit mir redete, so hart, kalt, da wusste ich, es konnte wirklich etwas nicht stimmen.&#8220; Noch einmal wiederholte die Schwester die Geschichte der armen Slumbewohnerin, die sich die Tochter nicht leisten konnte. Anishas Mutter gab sich damit zufrieden, wollte gehen, Anisha aber plagten Zweifel. Sie hatte unz\u00e4hlige Fragen, die ihr die Schwester nicht beantworten wollte. Doch Schwester Theresa verplapperte sich, und Anisha erfuhr den Namen ihrer leiblichen Mutter: Fatima. Sie zu finden, dazu war keine Zeit. In den Monaten nach ihrer R\u00fcckkehr nach Deutschland machte sich eine Menschenrechtlerin daran, nach Fatima zu suchen. An Weihnachten, zwei Jahre nach dem ersten Besuch in Indien, schickte sie einen Brief. &#8222;Wir haben Deine Mutter gefunden.&#8220; Ein Schriftverkehr entwickelte sich zwischen Tochter und leiblicher Mutter, er ging \u00fcber Jahre. Durch die Briefe aus Indien erfuhr Anisha M\u00f6rtl ihre ganze, ihre wahre Geschichte.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: small;\">Ihre Mutter Fatima lebt in einem \u00e4rmlichen Viertel Hyderabads, sie ist Hausangestellte, kann nicht lesen und schreiben. Nachdem sie Anisha, die sie nach ihrer Geburt Farzana nennen wollte, im Krankenhaus der katholischen Nonnen geboren hatte, sagte man ihr, sie m\u00fcsse 20 000 Rupien f\u00fcr die Entbindung zahlen. Eine L\u00fcge. Aber Fatima verlie\u00df das Krankenhaus, um Geld zu beschaffen &#8211; ohne ihre Tochter. Als sie zur\u00fcckkam, blieb ihr das Tor verschlossen. &#8222;Alle stecken in diesem korrupten System unter einer Decke. Die W\u00e4chter, die Schwestern, alle&#8220;, sagt Anisha M\u00f6rtl. Sie ist Fatimas einziges Kind. Ihre Mutter wurde von den Schwestern zur Sterilisation gezwungen. Anisha wurde in den Westen verkauft. Sie ist kein Einzelfall. &#8222;Das System funktioniert immer noch. Schwester Theresa musste f\u00fcr ein paar Monate in Haft, aber nun macht sie wieder weiter&#8220;, sagt Anisha M\u00f6rtl.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: small;\">W\u00e4hrend der Suche nach ihrem gestohlenen Leben ging die Beziehung zur Adoptivmutter zu Bruch. Nie war das Verh\u00e4ltnis spannungsfrei, weil die Mutter immer Dankbarkeit f\u00fcr ein Leben im Wohlstand einforderte. In der Schule sollte Anisha besser sein als die in Deutschland Geborenen, mindestens genauso gut. &#8222;Meine Mutter denkt sehr westlich arrogant. Sie meint, sie hat mich gerettet, aber so empfinde ich das nicht.&#8220; Heute haben Adoptivmutter und Tochter keinen Kontakt mehr. Der Vater blieb ihr ein enger Vertrauter.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: small;\">Im Dezember vergangenen Jahres reiste Anisha M\u00f6rtl noch einmal nach Hyderabad &#8211; und traf ihre leibliche Mutter. Ein verst\u00f6render Moment. In ihrer Wohnung hatte Fatima aus all den Fotos, die Anisha geschickt hatte, eine Art Altar aufgebaut. Vor einer Frage f\u00fcrchtete sich die 19-J\u00e4hrige, die gerade Abitur macht, am meisten: Willst Du bei mir bleiben? Doch Fatima stellte sie nicht. &#8222;Meine Mutter war \u00fcbergl\u00fccklich, aber sie hat verstanden, dass ich nicht mehr ihr Leben leben kann.&#8220;<\/span><\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Source:http:\/\/www.welt.de\/die-welt 30.05.10 von Thomas Vitzthum Der Satz durchfuhr Anisha M\u00f6rtl wie ein Blitz: &#8222;Du bist ein gestohlenes Kind.&#8220; Der junge Mann, der sie damit konfrontierte, sah ihr \u00e4hnlich, dunkle Haut, dunkle Haare, dunkle Augen, indisch. Wie sie war er in ein Land zur\u00fcckgekommen, mit dem ihn kaum mehr verband als das Gef\u00fchl, dort eigentlich hinzugeh\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[36,10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/774"}],"collection":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=774"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/774\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6168,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/774\/revisions\/6168"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=774"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=774"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=774"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}