{"id":1170,"date":"2005-12-08T13:22:43","date_gmt":"2005-12-08T13:22:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.againstchildtrafficking.org\/?p=1170"},"modified":"2010-09-06T13:27:33","modified_gmt":"2010-09-06T13:27:33","slug":"nachwuchs-auf-bestellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/nachwuchs-auf-bestellung\/","title":{"rendered":"Nachwuchs auf Bestellung"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div>\n<div>Source:<a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/archiv\/.bin\/dump.fcgi\/2005\/1208\/vermischtes\/0012\/index.html\" target=\"_blank\"> www.berlinonline.de<\/a><\/div>\n<div>2005\u00a0 08. Dezember<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Kinder aus Haiti werden gern von Ausl\u00e4ndern adoptiert. Inzwischen ist das ein Gesch\u00e4ft geworden<br \/>\nKlaus Ehringfeld<br \/>\nPORT-AU-PRINCE. Seit mehr als zwei Wochen sitzt Isabel Loth in einem  Hotel in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince und wartet sehns\u00fcchtig auf ein  St\u00fcck Papier. Die 39-j\u00e4hrige Physiotherapeutin aus Frankreich ist seit  kurzem Mutter zweier haitianischer Adoptivkinder, doch weder f\u00fcr den  dreij\u00e4hrigen Devon noch f\u00fcr seine zwei Jahre \u00e4ltere Schwester Tiffany  existieren Geburtsurkunden. <!--more-->Ohne die Urkunden aber stellen die  haitianischen Beh\u00f6rden keinen Pass aus, und ohne Pass erteilt die  franz\u00f6sische Botschaft kein Visum. Da in dem Karibikstaat aber  staatliche Institutionen kaum funktionieren, wird die Beschaffung einer  Geburtsurkunde oft zu einem scheinbar un\u00fcberwindlichen Hindernis f\u00fcr  Adoptiveltern. Und so warten derzeit Dutzende Ausl\u00e4nder wie Isabel Loth  in den Hotels Haitis wochenlang, bis sie ihren Nachwuchs in die Heimat  mitnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die B\u00fcrokratie in Haiti, einem der \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt, h\u00e4lt  schon lange nicht mehr mit dem Kinderwunsch vieler Ausl\u00e4nder mit. Das  Land hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der nachgefragtesten  Ziele f\u00fcr Auslandsadoptionen entwickelt. Das wirtschaftliche und soziale  Elend, das viele Familien zwingt, ihre Kinder in die Obhut von  Waisenh\u00e4usern zu geben, trifft auf den steigenden Wunsch nach  Adoptivkindern bei Paaren in Europa und Nordamerika. Zudem stellt Haiti  nur geringe Anforderungen an die Adoptiveltern. &#8220;Ich h\u00e4tte als  alleinstehende berufst\u00e4tige Frau kaum in einem anderen Land ein Kind  adoptieren k\u00f6nnen&#8221;, sagt auch Isabel Loth.<\/p>\n<p>Drehkreuze des Kinderhandels<\/p>\n<p>Den gro\u00dfen Wunsch nach einem Kind aus der Karibik machen sich mehr  und mehr auch Gesch\u00e4ftemacher zu Nutze, warnen  Kinderschutzorganisationen. Der Grat zwischen legaler Adoption und  illegalem Kinderhandel werde schmaler. Das Fehlen funktionierender  staatlicher Aufsichtsbeh\u00f6rden leistet dem Vorschub. So ist nach Angaben  von Unicef die Zahl der Kinderheime in Haiti in den vergangenen Jahren  sprunghaft gestiegen. Bei der staatlichen Familienf\u00fcrsorge IBESR in  Port-au-Prince sind f\u00fcr das ganze Land von der Gr\u00f6\u00dfe Belgiens 47  Waisenh\u00e4user registriert. Nichtregierungsorganisationen wie die Pan  American Development Foundation (PADF) sch\u00e4tzen die tats\u00e4chliche Zahl  ein vielfaches h\u00f6her. Viele der Heime h\u00e4tten nur den einen Zweck, Kinder  ins Ausland zu vermitteln. Daher w\u00fcrden sie sich in der Regel auch  weigern, kranke oder behinderte Kinder aufzunehmen. Waren Waisenh\u00e4user  in Haiti fr\u00fcher Zufluchtst\u00e4tten f\u00fcr Kinder \u00fcberforderter Eltern oder f\u00fcr  die rund 200 000 Aidswaisen, werden sie zunehmend zu Drehkreuzen f\u00fcr  eine Art Kinderhandel.<\/p>\n<p>Eine Adoption kostet in Haiti gew\u00f6hnlich bis zu 6 500 Dollar. Darin  enthalten sind medizinische und psychologische Betreuung sowie  Anwaltskosten und Geb\u00fchren. Die schwarzen Schafe unter den Heimen  verlangen nach Erkenntnissen des UN-Kinderhilfswerks jedoch bis zu 10  000 Dollar f\u00fcr eine Vermittlung. Im Gegenzug bieten sie den potenziellen  Eltern an, ein Kind nach deren Wunsch zu suchen. Mitunter w\u00fcrden sogar  Kopfpr\u00e4mien an die leiblichen Eltern gezahlt, wenn sie ihre Kinder  abgeben. &#8220;Adoptionen an sich sind nichts Schlechtes&#8221;, sagt Alphonse  Nkunzimana, Experte f\u00fcr Menschenhandel bei der PADF. &#8220;Aber in Haiti sind  sie ein Gesch\u00e4ft geworden.&#8221;<\/p>\n<p>Doch auch die Kinderheime, die nicht aus Gewinnstreben vermitteln,  erf\u00fcllen oftmals nicht die Mindeststandards. In vielen H\u00e4usern fehlt es  an ausreichendem Platz und an den gesetzlich vorgeschriebenen  Psychologen und Sozialarbeitern f\u00fcr die Kinder. Die staatliche  Familienf\u00fcrsorge ist in aller Regel \u00fcberfordert, die Waisenh\u00e4user zu  \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme bildet das Waisenhaus von Dixie Jones. Seit 14 Jahren  bietet die US-Amerikanerin in einem ger\u00e4umigen Haus in den k\u00fchlen Bergen  hoch \u00fcber Port-au-Prince \u00fcber hundert Kleinkindern Platz. Die Eink\u00fcnfte  aus den Adoptionen decken die laufenden Kosten. Alles andere finanziert  sie \u00fcber Spenden aus der Heimat. Ein unsch\u00e4tzbarer Vorteil gegen\u00fcber  den haitianischen Waisenh\u00e4usern. &#8220;Fast t\u00e4glich kommen M\u00fctter und bringen  mir ihre Kinder, weil sie selber nicht genug zu essen haben und nachts  auf der T\u00fcrschwelle von Verwandten schlafen m\u00fcssen&#8221;, sagt die  50-J\u00e4hrige. Im Gegensatz zu anderen Heimen nimmt Dixie Jones auch kranke  und behinderte Kinder an. &#8220;Ich finde fast immer eine Familie im Ausland  f\u00fcr sie&#8221;.<\/p>\n<p>Bei jeder Adoption versucht Dixie Jones zudem, den Kontakt zwischen  biologischen und Adoptiveltern herzustellen. Das h\u00e4lt sie f\u00fcr sehr  wichtig: &#8220;So kommen viele Kinder als Erwachsene vielleicht nach Haiti  zur\u00fcck, um hier ihre Wurzeln zu suchen.&#8221;<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Exportschlager Mensch<\/p>\n<p>1 300 haitianische Kinder werden nach Sch\u00e4tzungen des  UN-Kinderhilfswerks Unicef jedes Jahr zu neuen Eltern vermittelt, vor  allem nach Frankreich, Belgien, Kanada und in die USA.<\/p>\n<p>Haiti ist gemessen an der Zahl von 8,5 Millionen Einwohnern das Land  mit den zweitmeisten Auslandsadoptionen vor China (10 000 Adoptionen auf  1,3 Milliarden Einwohner). Lediglich aus Guatemala werden mit 3 500  Vermittlungen auf 14 Millionen Einwohner mehr Kinder ins Ausland  gegeben.<br \/>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Source: www.berlinonline.de 2005\u00a0 08. Dezember Kinder aus Haiti werden gern von Ausl\u00e4ndern adoptiert. Inzwischen ist das ein Gesch\u00e4ft geworden Klaus Ehringfeld PORT-AU-PRINCE. Seit mehr als zwei Wochen sitzt Isabel Loth in einem Hotel in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince und wartet sehns\u00fcchtig auf ein St\u00fcck Papier. 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