{"id":1261,"date":"2010-02-08T10:31:45","date_gmt":"2010-02-08T10:31:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.againstchildtrafficking.org\/?p=1261"},"modified":"2010-09-07T10:33:11","modified_gmt":"2010-09-07T10:33:11","slug":"ein-baby-fur-5000-dollar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/ein-baby-fur-5000-dollar\/","title":{"rendered":"Ein Baby f\u00fcr 5000 Dollar"},"content":{"rendered":"<div>Source: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\" target=\"_blank\">www.welt.de<\/a>\u00a0<br \/>\nVon Sascha Lehnartz 8. Februar 2010, 04:00 Uhr<\/p>\n<p>Das Erdbeben hat Haitis Waisenh\u00e4user verw\u00fcstet &#8211; Adoptionen stocken, und die Kinder leiden unter dem Chaos<\/p><\/div>\n<p>Port-au-Prince &#8211; &#8220;Foyer d&#8217;Espoir&#8221; hei\u00dft Hort der Hoffnung. Es ist der Name eines Waisenheimes, das knapp 20 Kilometer au\u00dferhalb von Port-au-Prince liegt, in Thomassin, einer bergigen Gegend, f\u00fcr die man einen Wagen mit kr\u00e4ftigem Allradantrieb braucht. 23 Kinder zwischen drei Monaten und vier Jahren hat Madame Vital hier unter ihren &#8211; wie sagte man fr\u00fcher &#8211; &#8220;Fittichen&#8221;. Madame Vital ist, zumindest in Frankreich, keine ganz unbekannte Person. Denn Frankreich ist das Land, das die meisten Kinder aus Haiti adoptiert. Knapp 1000 waren es im vergangenen Jahr. Einige davon kamen auch aus Madame Vitals Foyer.<!--more--><\/p>\n<p>Nun hat das Erdbeben die meisten begonnenen Adoptionsverfahren unterbrochen. In Frankreich laufen deshalb designierte Adoptiveltern Sturm, deren Verfahren kurz vor dem Abschluss standen. In manchen F\u00e4llen hatten sie die Kinder bereits besucht, auf den Papieren fehlte ein letzter richterlicher Stempel. Die Gerichtsgeb\u00e4ude in Port-au-Prince sind zerst\u00f6rt, und niemand wei\u00df, wie es weitergehen soll. Zugleich machen Horrorgeschichten die Runde. Vor gut einer Woche verhaftete eine offenbar gut informierte Spezialeinheit der haitianischen Polizei eine Gruppe von zehn religi\u00f6sen Eiferern aus Amerika an der Grenze zur Dominikanischen Republik beim Versuch, 33 Kinder \u00fcber die Grenze zu bringen. Die Amerikaner behaupteten, die Kinder retten zu wollen. Die Polizei vermutet Kinderhandel. Der Premierminister Jean-Max Bellerive pers\u00f6nlich verst\u00e4rkte die \u00c4ngste, indem er in einem CNN-Interview \u00fcber F\u00e4lle von Kinder- und von Organhandel sprach, die ihm zu Ohren gekommen seien. Doch wie fast alle, die sich in diesem Gebiet tummeln, konnte auch Bellerive wenig Konkretes erz\u00e4hlen. Am Sonntag lieferte dann die &#8220;New York Times&#8221; einen faktend\u00fcrren Artikel, der sich eher aus der Sorge der Autorin denn aus Erkenntnissen speiste. Unter anderem fiel der Reporterin auf, dass Kinder in haitianischen Waisenh\u00e4usern &#8220;zu gro\u00dfe, zu kleine oder gar keine Kleider tragen&#8221;. Das ist eine korrekte Beobachtung, trifft aber in einem bitterarmen tropischen Land ungef\u00e4hr auf 90 Prozent der Kinder zu.<\/p>\n<p>Wer sich mit Kinderhandel und erst recht mit Organhandel in Haiti befasst, betritt das Reich der Spekulation. Verl\u00e4ssliche Zahlen gibt es nicht. &#8220;Wenn ein Land in Unordnung ist, steigt das Risiko f\u00fcr Kinderhandel automatisch&#8221;, sagt Caroline Bakker. Die Holl\u00e4nderin ist die Kinderschutzbeauftragte von Unicef f\u00fcr die Karibikregion. &#8220;Es gibt Berichte \u00fcber verschwundene Kinder, \u00fcber Entf\u00fchrungen aus Krankenh\u00e4usern. Wir haben also Indizien, aber mehr nicht&#8221;, sagt Bakker, die sichtlich um eine n\u00fcchterne Einsch\u00e4tzung der Lage bem\u00fcht ist. Nat\u00fcrlich sei die Grenze zur Dominikanischen Republik leicht zu \u00fcberqueren. Sie ist nur schwach gesichert. Das Grenzgebiet ist ein gro\u00dfer Basar, \u00fcber den auch Kinder ungehindert toben. &#8220;Das Problem am Kinderhandel ist, dass er meistens halb verdeckt stattfindet. Die Kinder gehen \u00fcber die Grenze, weil man ihnen irgendetwas versprochen hat. Dass es um Kinderarbeit oder Prostitution geht, stellen sie erst am Ende ihrer Reise fest&#8221;, sagt Bakker.<\/p>\n<p>Rund 50 000 Waisenkinder gab es in Haiti vor dem Erdbeben. Wie stark die Zahl nun angestiegen ist, wei\u00df noch niemand genau. Madame Vital hat seit dem Beben noch keine Neuank\u00f6mmlinge begr\u00fc\u00dfen m\u00fcssen. Bis zum Beben waren ihre Kinder in einem Hort untergebracht, der einige Kilometer von ihrem Wohnhaus entfernt liegt. Das Beben \u00fcberstanden die Kinder beinahe ohne Schramme. Nur ein kleiner Junge lag unter einem umgest\u00fcrzten Arzneischrank, wurde aber rasch geborgen und kam mit ein paar Beulen davon. Doch das Geb\u00e4ude hat nun Risse. Madame Vital hat die Kinder bei sich zu Hause untergebracht, in einem f\u00fcr haitianische Verh\u00e4ltnisse gro\u00dfen Haus. An den W\u00e4nden bl\u00fcht der Schimmel. Das ist hier nichts Ungew\u00f6hnliches. 23 Kinder f\u00fcllen auch ein gro\u00dfes Haus rasch. Im Hof und im Garten schlafen sie in Zelten. &#8220;Wir suchen dringend neue R\u00e4ume, aber momentan suchen alle nach H\u00e4usern&#8221;, sagt Madame Vital. Seit beinahe 20 Jahren betreibt sie ihr Waisenhaus, im Gegensatz zu vielen anderen in Haiti ist ihres staatlich registriert. Madame Vital lebt davon, dass ihre Kinder adoptiert werden. 5000 Dollar erh\u00e4lt sie pro Kind, direkt von den Eltern. Der Adoptionsprozess sei inzwischen viel komplizierter geworden, sagt sie. Zuvor seien die Kinder maximal ein Jahr bei ihr geblieben, nun dauere das Verfahren oft drei bis vier Jahre. Sie brauche die Einwilligung der biologischen Eltern, eine Best\u00e4tigung vom Sozialministerium, die Adoptiveltern w\u00fcrden vor Gericht geh\u00f6rt. Gut f\u00fcr die Kinder, glaubt sie, sei die lange Wartezeit nicht. Ein Waisenhaus, sei nun einmal keine Familie.<\/p>\n<p>Madame Vitals Kinder, die w\u00e4hrend unseres Gespr\u00e4chs ziemlich brav an kleinen Kinderplastiktischen im Foyer d&#8217;Espoir sitzen, scheinen sich zumindest in ihrem Ersatzfamilienverbund nicht unwohl zu f\u00fchlen. Immer wieder schauen sie auf ihre Reserve-Maman, die einschreitet, sobald Disziplinlosigkeit aufscheint. &#8220;Du darfst deinen N\u00e4chsten nicht schlagen&#8221;, ermahnt sie einen Jungen, der seinen Tischnachbarn bedr\u00e4ngt. Der Schl\u00e4ger gehorcht prompt. Madame Vitals Adoptiveltern kommen \u00fcberwiegend aus Frankreich und Kanada. Die Kinder, die sie aufnimmt, sind zum Teil Waisenkinder, zum Teil sind es aber auch die Eltern selbst, die ihre Kinder zur Adoption freigeben, weil sie sie nicht mehr ern\u00e4hren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie die Adoptionsverfahren nun weitergehen, ist offen. &#8220;Ich habe geh\u00f6rt, dass es ein Moratorium auf alle Verfahren gibt&#8221;, sagt Madame Vital. Ungeduldige Paare besprechen t\u00e4glich ihren Anrufbeantworter. Madame sorgt sich derweil um die Versorgung. Es gibt kein flie\u00dfendes Wasser, einen Tanklaster auf den Berg zu bestellen kostet aber derzeit 1000 Dollar. Die Preise f\u00fcr Windeln haben sich auch verdreifacht. Madame Vital h\u00e4lt in der Regel sowohl mit den leiblichen wie mit den neuen Eltern Kontakt. Diese schicken ihr Fotos, die sie an jene weiterreicht. Nur manchmal hat sie \u00c4rger mit den leiblichen Eltern. Das geschehe, wenn die Adoptiveltern sich nicht mehr meldeten und die leiblichen Eltern nicht erf\u00fchren, wie es ihren Kindern ergehe. Sie schreien dann manchmal am Telefon: &#8220;Wir haben dir unser Kind nicht verkauft!&#8221;<br \/>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Source: www.welt.de\u00a0 Von Sascha Lehnartz 8. Februar 2010, 04:00 Uhr Das Erdbeben hat Haitis Waisenh\u00e4user verw\u00fcstet &#8211; Adoptionen stocken, und die Kinder leiden unter dem Chaos Port-au-Prince &#8211; &#8220;Foyer d&#8217;Espoir&#8221; hei\u00dft Hort der Hoffnung. 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