{"id":378,"date":"2010-03-05T15:15:59","date_gmt":"2010-03-05T15:15:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.againstchildtrafficking.org\/new\/?p=378"},"modified":"2017-01-13T12:36:29","modified_gmt":"2017-01-13T12:36:29","slug":"fragen-nicht-erwunscht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/fragen-nicht-erwunscht\/","title":{"rendered":"Fragen nicht erw\u00fcnscht"},"content":{"rendered":"<div>Date: 2010-03-05<\/div>\n<div>Source: <a href=\"http:\/\/www.bayerische-staatszeitung.de\" target=\"_blank\">www.bayerische-staatszeitung.de<\/a><\/div>\n<p>Nicht immer l\u00e4uft bei Auslandsadoptionen alles rechtlich einwandfrei ab \u2013 das belegen auch Schicksale von in Bayern aufgewachsenen Kindern Die Zust\u00e4nde in vielen Kinderheimen in Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern sind erb\u00e4rmlich. Ob Adoptionen ins Ausland der richtige L\u00f6sungsweg sind, ist jedoch \u00e4u\u00dferst umstritten.\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Anisha ist 19 Jahre und stammt aus Hyderabad in Indien. Als Baby wurde sie von einem Paar aus M\u00fcnchen adoptiert. In der Pubert\u00e4t begann sie zu zweifeln, ob ihre leibliche Mutter sie damals freiwillig abgegeben hat. Heimlich, ohne das Wissen ihrer Adoptiveltern, sp\u00fcrte sie mit Hilfe einer Menschenrechtlerin ihre Mutter auf. An Weihnachten 2009 machte Anisha sich selbst auf den Weg nach Indien, um ihre Mutter zum ersten Mal zu treffen. Neben einer Freundin begleitete sie die Journalistin Golineh Atai und drehte einen Film, der vergangene Woche im WDR ausgestrahlt wurde.<\/p>\n<p>In Hyderabad erz\u00e4hlte Anishas Mutter Fatima, dass das Baby ihr damals weg genommen wurde, weil sie das Geld f\u00fcr die Entbindung nicht zahlen konnte. Eine Adoption in Aichach musste aufgel\u00f6st werden Der Film zeigt, wie die Mutter das Krankenhaus und Kinderheim besucht und der Heimleiterin Schwester Theresa vorwirft, dass sie ihre Tochter verkauft habe. Das dementiert Schwester Theresa. Allerdings wurde sie wegen F\u00e4lschung von Adoptionspapieren bereits zu sechs Monaten Haft verurteilt. Die Berufung des Verfahrens l\u00e4uft. Mit einer Sondergenehmigung vermittelt sie weiter Kinder ins Ausland, auch nach Deutschland. Sie verweist im WDR-Film auf die vielen Kinder, die ihr dankbar seien f\u00fcr die Vermittlung ihrer Adoption. Anishas Verhalten nennt sie \u201eidiotisch\u201c. Anisha wiederum fragt, warum ihre Adoptiveltern sich von den Heimschwestern vorschreiben lie\u00dfen, keine Fragen zu stellen und sich von der Mutter fernhielten. Adoptionsexperte Bernd Wacker ging vor Jahren im Auftrag von Terre des Hommes problematischen F\u00e4llen in Ingolstadt, Aichach und anderen Orten nach und fand viele Ungereimtheiten. Mehr als 1500 Adoptionen hatte der Verein Pro Infante damals vor allem aus Indien nach Deutschland vermittelt. Es wurden F\u00e4lschungen und Ungereimtheiten nachgewiesen; es bestand der Verdacht auf Kinderhandel, und eine Adoption in Aichach mu\u00dfte sogar aufgel\u00f6st werden, weil die Adoptiveltern eines angeblichen Waisenkindes in Indien die leibliche Mutter aufsp\u00fcrten. Laxmi Schneider galt offiziell als Waisenkind. In Wirklichkeit \u2013 so Bernd Wacker nach Durchsicht der Dokumente \u2013 mussten die Missionsschwestern in Indien, Pro Infante und das zust\u00e4ndige Jugendamt in Ingolstadt wissen, dass eine Mutter existierte und diese nie eine Freigabeerkl\u00e4rung f\u00fcr die Adoption unterschrieben hatte. Es gab weitere \u00e4hnliche F\u00e4lle \u2013 wie viele, das blieb jedoch letztlich ungekl\u00e4rt. Wacker schrieb 2003: \u201eWir fordern die betroffenen Adoptionsstellen auf, alle erhaltenen Pro Infante-Akten daraufhin zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob die beigebrachten indischen Dokumente mit allen anderen Informationen zur Vorgeschichte der vermittelten Kinder \u00fcbereinstimmen.\u201c Es gab jedoch nie eine gro\u00dfe Untersuchung von unabh\u00e4ngiger Seite. Wo aber Widerspr\u00fcche \u2013 im Einzelfall, aber auch im System \u2013 nicht aufgekl\u00e4rt werden, gedeiht Kinderhandel.<\/p>\n<p>\u201eDas Bild des Kinderh\u00e4ndlers ist eines vom b\u00f6sen Mann, der Kinder in den Sack steckt und verkauft,\u201c sagt Marlene Rupprecht, SPD-Bundestagsabgeordnete aus F\u00fcrth, \u201edas ist zu einfach\u201c. Oft bedenken Paare nicht, dass 10 000 Euro Geb\u00fchren \u2013 und selbst ein Teil davon \u2013 f\u00fcr Vermittler in Afrika oder Asien ein Verm\u00f6gen sind. \u201eJunge Paare glauben, sie haben das Recht auf ein Kind. Dem ist nicht so. Kinder haben ein Recht auf Eltern, und zwar auf ihre eigenen.\u201c Die Abgeordnete k\u00fcmmert sich seit Jahren um die Themen Kinderrechte und Auslandsadoption. Sie fasst ihre Erfahrungen mit den Worten zusammen: \u201eSie k\u00f6nnen leichter ein Kind nach Deutschland bringen als Kaffee einf\u00fchren. F\u00fcr jeden Hund brauchen Sie Papiere. Bei Kindern anerkennt man einfach eine im Ausland durchgef\u00fchrte Adoption.\u201c Weil im Inland auf ein Kind, das zur Adoption freigegeben wird, zehn Bewerber kommen, adoptieren Paare im Ausland. Rund die H\u00e4lfte bis zwei Drittel der Auslandsadoptionen sind nach Rupprechts Sch\u00e4tzung so genannte unbegleitete Adoptionen \u2013 Privatadoptionen, die ohne Beteiligung und Pr\u00fcfung der Jugend\u00e4mter erfolgen. Zollbeamte lassen diese Kinder einreisen und Richter pr\u00fcfen die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit erst im Nachhinein. Aber wie sollen sie urteilen? Die Kinder zur\u00fcckschicken? Selbst bei Widerspr\u00fcchen entscheiden Richter meist f\u00fcr den Verbleib der Kinder \u2013 weil das zum Zeitpunkt des Urteils im Interesse des Kindes sei. \u201eEin Richter, der eine Adoption r\u00fcckg\u00e4ngig macht, w\u00fcrde gevierteilt\u201c, sagt Rupprecht \u2013 \u201edas riskiert kein Richter.\u201c J\u00f6rg Reinhardt, bis 2008 Leiter des Bayerischen Landesjugendamtes, forderte ein Verbot von Privatadoptionen. Es gebe daf\u00fcr leider keine politische Lobby, sagt Marlene Rupprecht. Das Bundesfamilienministerium war daf\u00fcr, das Justizministerium dagegen.<\/p>\n<p>Der Konflikt ist ungel\u00f6st. Eigentlich soll das Vertragswerk der Haager Konvention rechtsverbindliche Regeln schaffen. Aber Skandale in Indien und Rum\u00e4nien seien eine Bankrotterkl\u00e4rung f\u00fcr die Wirksamkeit dieser Konvention, sagt Roelie Post, 50. Denn beide Staaten sind der Konvention beigetreten. Roelie Post war zwanzig Jahre lang Beamtin in der Europ\u00e4ischen Union und von 1999 bis 2005 zust\u00e4ndig f\u00fcr die EU-Erweiterung und Auslandsadoptionen aus Rum\u00e4nien. Nach dem Ende des Kommunismus wurden aus Rum\u00e4nien innerhalb von zehn Jahren mehr als 30 000 Kinder ins Ausland vermittelt. Die meisten von ihnen waren keine Waisen. Adoptionsbewerber aus Rum\u00e4nien hatten keine Chance. Sie konnten sich das nicht leisten. Etwa 30 000 Dollar an Geb\u00fchren zahlten Amerikaner f\u00fcr ein Kind. Das macht bei 30 000 Kindern einen Umsatz von 900 Millionen Dollar. Eine Zahl, die die ehemalige Leiterin der rum\u00e4nischen Adoptionsbeh\u00f6rde, Theodora Bertzi, im Jahr 2006 f\u00fcr \u201enicht \u00fcbertrieben\u201c hielt. Diese Unsumme schuf in Rum\u00e4nien ein unkontrolliertes, mafi\u00f6ses System aus Vermittlungsagenturen, die am Profit und nicht am Wohl der Kinder interessiert waren. Etwa die H\u00e4lfte dieser Kinder kamen in die USA, die andere H\u00e4lfte nach Europa, auch nach Deutschland. Kaum hatte Rum\u00e4nien 2001 ein Moratorium f\u00fcr Auslandsadoptionen durchgesetzt, setzten die USA zahlreiche Ausnahmen durch. Angeblich ging es dabei nur um F\u00e4lle, deren Verfahren vor dem Stopp begonnen wurde. Doch die meisten wurden erst danach in die Wege geleitet, wie aus einem Schreiben der rum\u00e4nischen Adoptionsbeh\u00f6rde hervorgeht. Die Niederl\u00e4nderin wurde wegen ihrer kritischen Haltung aus ihrem Job gedr\u00e4ngt. Sie schrieb das Buch \u201eRomania &#8211; For Export Only\u201c und verlegte es 2007 selbst. vom 5. M\u00e4rz 2010 Lesen Sie den vollst\u00e4ndigen Beitrag in der Bayerischen Staatszeitung oder in unserem E-Paper!<br \/>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Date: 2010-03-05 Source: www.bayerische-staatszeitung.de Nicht immer l\u00e4uft bei Auslandsadoptionen alles rechtlich einwandfrei ab \u2013 das belegen auch Schicksale von in Bayern aufgewachsenen Kindern Die Zust\u00e4nde in vielen Kinderheimen in Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern sind erb\u00e4rmlich. 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