{"id":393,"date":"2010-04-21T15:33:58","date_gmt":"2010-04-21T15:33:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.againstchildtrafficking.org\/new\/?p=393"},"modified":"2010-07-29T15:36:49","modified_gmt":"2010-07-29T15:36:49","slug":"adoption-oder-verkauf-der-einfluss-der-adoptionsbranche-auf-die-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.againstchildtrafficking.org\/archive\/adoption-oder-verkauf-der-einfluss-der-adoptionsbranche-auf-die-eu\/","title":{"rendered":"Adoption oder Verkauf; Der Einfluss der Adoptionsbranche auf die EU"},"content":{"rendered":"<div>Source: <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\" target=\"_blank\">http:\/\/www.dradio.de<\/a><\/div>\n<p>21.04.2010 \u00b7 09:10 Uhr<\/p>\n<p>Auslandsadoptionen bleiben f\u00fcr viele Paare die einzige M\u00f6glichkeit. (Bild: Jan-Martin Altgeld)<\/p>\n<p>Der Einfluss der Adoptionsbranche auf die EU<br \/>\nVon Katrin Matthaei<br \/>\nDas Wohl des betroffenen Kindes steht beim Thema Auslandsadoption nicht immer im Zentrum der Entscheidung. Und: Dahinter agiert eine Industrie mit handfesten Wirtschaftsinteressen. Die ist auch bei in der EU \u00e4u\u00dferst aktiv.<br \/>\nEin Internetvideo der italienischen Adoptionsagentur Amici dei Bambini. Mehrere afrikanische Kinder stehen vor einigen H\u00fctten und schauen verunsichert in die Kamera. Im Hintergrund mahnt Firmenchef Marco Griffini: Diese kongolesischen Kinder brauchen dringend unsere Hilfe, ihre eigenen Eltern haben sie versto\u00dfen. Sp\u00e4testens hier schrillen bei Roelie Post alle Alarmglocken. Die Niederl\u00e4nderin arbeitete bis vor kurzem f\u00fcr die EU-Kommission im Bereich Kinderschutz.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&#8220;Die gehen in die armen Gegenden und D\u00f6rfer, und gucken, wo es arme Familien gibt, oder allein stehende M\u00fctter, oder Familien in Krise, und sagen dann: wir haben eine bessere L\u00f6sung: Ihr Kind kann in ein Heim und eine gute Ausbildung kriegen. Und am Ende geht das Kind dann ins Ausland.&#8221;<\/p>\n<p>Roelie Post kennt viele solcher F\u00e4lle und k\u00e4mpft f\u00fcr ein weltweites Verbot der Auslandsadoption &#8211; auch hier in Europa. Denn Ende der 90er-Jahre hatte sie in Rum\u00e4nien systematischen Handel mit Heimkindern aufgedeckt. Damals war sie verantwortlich f\u00fcr die Bewilligung von EU-Geldern an den rum\u00e4nischen Kinderschutz und kam hinter ein ausgekl\u00fcgeltes System.<\/p>\n<p>&#8220;Ausl\u00e4ndische Adoptionsagenturen geben Geld f\u00fcr den Kinderschutz in Rum\u00e4nien und haben daf\u00fcr Punkte gekriegt. Und das Adoptionsb\u00fcro, was die meisten Punkte hatte, kriegte auch die meisten Kinder.&#8221;<\/p>\n<p>Je mehr Geld eine ausl\u00e4ndische Adoptionsagentur an ein Heim spendete, desto mehr Kinder erhielt sie f\u00fcr Auslandsadoptionen. Daher auch das Interesse der Agenturen an m\u00f6glichst hohen Hilfsgeldern der EU f\u00fcr die Heimstrukturen. Auf diese Weise wurden mehr als 30.000 rum\u00e4nische Kinder ins Ausland vermittelt &#8211; oft ohne Wissen der Eltern. Roelie Post wandte sich an ihren obersten Chef: G\u00fcnter Verheugen, damals Erweiterungskommissar. Der forderte von Rum\u00e4nien einen sofortigen Adoptionsstopp. Vor kurzem best\u00e4tigte Verheugen erstmals \u00f6ffentlich, dass der Fall des drohenden Adoptionsverbots in Rum\u00e4nien damals auch die politische Ebene erreichte:<\/p>\n<p>&#8220;Der politische Druck kam immer wieder aus denselben L\u00e4ndern: Aus Frankreich, aus Italien, aus Spanien, aus Israel und aus den USA. Ich erinnere mich an ein Gespr\u00e4ch mit dem rum\u00e4nischen Ministerpr\u00e4sidenten, dem ich gesagt habe: Meine Geduld ist zu Ende, ihr lasst jetzt keine Adoptionen mehr zu oder ich kann euch nicht helfen, was den Beitritt zur Europ\u00e4ischen Union anbelangt. So scharf ist das gewesen.&#8221;<\/p>\n<p>In der Folge entschied sich Rum\u00e4nien 2004 generell gegen Auslandsadoptionen und unterst\u00fctzt die bed\u00fcrftigen Familien seither direkt, sodass sie nicht mehr auf Heime angewiesen sind. F\u00fcr die Adoptionsindustrie war das ein Schock, wie sich zeigen sollte. Rum\u00e4nien steht seitdem unter enormem Druck der Lobbyisten.<\/p>\n<p>&#8220;Es ist das erste gro\u00dfe Land, was wirklich zu gemacht hat: keine Adoptionen ins Ausland mehr. Die Lobby hat Angst, dass andere L\u00e4nder dem Beispiel folgen w\u00fcrden, und das ist auch passiert: Das hei\u00dft, es gibt im Moment viel weniger Kinder als vorher. Deshalb ist der Druck riesig gro\u00df.&#8221;<\/p>\n<p>So auch im EU-Parlament.<\/p>\n<p>Marco Griffini, der Chef der italienischen Adoptionsagentur, nutzte unl\u00e4ngst den Petitionsausschuss des Parlaments, um Rum\u00e4nien an den Pranger zu stellen. Griffini stellt den Antrag, Rum\u00e4nien der Menschenrechtsverletzung zu bezichtigen:<\/p>\n<p>&#8220;Ich verstehe nicht, warum Rum\u00e4nien, dieses Land, das wir immer geliebt haben, die internationale Adoption verboten hat und den armen Kindern das Recht auf eine Familie verwehrt. Schlie\u00dflich warten Zehntausend rum\u00e4nische Kinder auf eine Adoptivfamilie.&#8221;<\/p>\n<p>Die rum\u00e4nischen Beh\u00f6rden relativieren Griffinis Statistik und sprechen von rund achthundert Kindern, die auf eine Adoption warten.<\/p>\n<p>Im EU-Parlament erh\u00e4lt der Leiter der italienischen Adoptionsagentur Unterst\u00fctzung von der italienischen Abgeordneten Patricia Toia: Rum\u00e4nien k\u00f6nne doch ein bilaterales Adoptionsabkommen mit Italien schlie\u00dfen, schl\u00e4gt sie vor. Auch die zust\u00e4ndige EU-Beamtin, die Italienerin Patrizia de Luca, findet: Der Antrag k\u00f6nne Rum\u00e4nien vielleicht zum &#8220;Umdenken&#8221; bewegen. Dabei ist sie eigentlich zu Neutralit\u00e4t verpflichtet. Emp\u00f6rung beim rum\u00e4nischen EU-Abgeordneten Victor Bostinaru, dessen Land ja auf Dr\u00e4ngen der EU jenen Adoptionsstopp verh\u00e4ngt hatte:<\/p>\n<p>&#8220;In meinem Land waren hochrangige Politiker in Kindeshandel verwickelt, auch die Justiz und die Adoptionsbeh\u00f6rden. Und jetzt hier im EU-Parlament zu verlangen, dass mein Land die internationale Adoption wieder erlauben soll &#8211; ist nicht nur gef\u00e4hrlich, sondern auch moralisch und politisch inakzeptabel!&#8221;<\/p>\n<p>Am Ende f\u00e4llt der Antrag durch, das Parlament votiert gegen die Aufforderung, Rum\u00e4nien m\u00f6ge sein Adoptionsverbot lockern. In den Hinterzimmern geht die Lobbyarbeit der Adoptionsagenturen indes weiter.<br \/>\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Source: http:\/\/www.dradio.de 21.04.2010 \u00b7 09:10 Uhr Auslandsadoptionen bleiben f\u00fcr viele Paare die einzige M\u00f6glichkeit. 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